Kommentar | Editorial

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An der Glückstankstelle

Rainer Strnad

Das Wort war zu schön, um es nicht sofort aufzugreifen, und so musste diyonline es in seinem tagesaktuellen Newsletter einfach sofort verbreiten: "Unsere Gartencenter werden zur Glückstankstelle für den digital gestressten Men­­schen." So hat es Martina Mensing-Meckelburg, die Präsidentin des Verbands Deutscher Garten-Cen­ter (VDG), in ihrer Begrüßung  zur Wintertagung des Verbands in Stuttgart gesagt.

Glückstankstelle. Das Wort kann eigentlich nur von dieser Frau stam­men, die, seit zwei Jahren im Amt, gerade für weitere zwei Jahre gewählt wurde und glaubwürdig ver­sicherte: "Es bereitet mir eine ganz große Freu­de, Ihre Präsidentin zu sein."

Denn mit ihrem Wortschatz und Auftreten ver­körpert sie einen Verband im Wandel: Eine neue Offenheit, Gesprächsbereitschaft und Auf­merk­samkeit für die Strömungen, die sich um den grüne Markt herum bemerkbar machen. Denn der Handel wandelt sich derzeit mit enormer Geschwindigkeit. Da ist frischer Wind genau das, was die Garten­centerbranche braucht, will sie nicht abge­hängt werden.


Das bedeutet nicht, dass die Inhaber der selbständigen Gartencenter und ihr Verband samt dessen Führung bisher alles falsch ge­macht hätten. Im Gegenteil: Sie haben bewie­sen, dass sie die Notwendigkeit erkennen, auf den Wandel zu reagieren. Juniorenförderung und Mitgliederwerbung beispielsweise wurden schon immer betrieben, nun vielleicht mit noch etwas mehr Schwung.





Auch heikle Themen werden ange­gan­gen. So hat die Verbandsspitze die Mitglieder davon überzeugen können, dass ein Enga­ge­ment als ideeller Träger der neuen Ordermesse Flora­decora parallel zur Christ­mas­world richtig ist. Daran hatte es Kritik gegeben nach dem Motto: Da wird der Wettbewerb ver­größert, weil der Frankfurter Messeverbund ge­rade auch Vertriebskanäle an­spricht, die bislang nicht so gut mit Schnittblumen und Zierpflan­zen umgehen können. Und diese Wettbewerber der Gartencenter sollen nun mit Hilfe des eigenen Verbands schlau gemacht wer­den?


Dem hält VDG-Geschäftsführer Pe­ter Botz entgegen: Reagieren statt ignorieren! Denn wie auch immer man die Floradecora bewertet - es nützt nichts, nur zu schmollen, dass die vom LEH jetzt auf einmal Blumen und Pflanzen verkaufen und der Mö­belhandel seinen Teil vom Geschäft mit Garten­möbeln abhaben will. Genauso wenig hat es bisher genützt, auf die bösen Baumärkte nur zu schimpfen, die den Gartencentern das Ge­schäft mit Werkzeug und anderer Hartware fast ganz ab­nehmen, oder sie grimmig zu belächeln, weil sie angeblich nicht mit dem lebenden Grün umgehen können. Einige aus dem DIY-Handel können's halt doch.


Was sie sicherlich nicht so gut können: Die viel beschworenen Emotionen an den POS bringen. Glückstankstellenwärterinnen sind auf den Ent­scheidungsebenen der Bau­märk­­te eher Man­­gel­­ware. Noch.

Rainer Strnad

 

Kontakt:

Tel.: +49/7243/575-207 • r.strnad(at)daehne.de

 

 

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