Kommentar | Editorial

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Jottwede – egal

Dr. Joachim Bengelsdorf

Ende März 2017 feierte das KaDeWe, das Kaufhaus des Westens, in Berlin seinen 110. Geburtstag. Das KaDeWe ist mit rund 60.000 m² das größte Warenhaus Kontinentaleuropas und seine Feinkostabteilung im sechsten Stock, die sogenannte "Feinschmeckeretage", die zweitgrößte Lebensmittelabteilung eines Warenhauses weltweit. Das Kaufhaus des Westens steht wohl wie kein zweites Warenhaus in Deutschland für Luxus, Opulenz und eine riesige Auswahl. Das Kaufhaus in der Tauen­tzienstraße am Wittenbergplatz wurde viele Male umgebaut, wechselte bis heute insgesamt acht Mal den Besitzer und brannte einmal im Zweiten Weltkrieg komplett aus.

Als Adolf Jandorf "sein" Kaufhaus des Westens 1907 eröffnete, spottete die Konkurrenz, es läge ja "Jottwede", "Janz weet draußen". Denn Jandorf errichtete sein neuestes, damals bereits siebtes Kaufhaus nicht in der Berliner Stadtmitte, etwa in der Leipziger Straße (wie seine Wettbewerber Wertheim und Tietz), sondern im mondäneren, so genannten "Neuen Westen" der boomenden Reichshauptstadt, nahe der Stadtteile Tiergarten, Charlottenburg und Wilmersdorf. Das KaDeWe hat seinen Namen daher schon 1907 bekommen und nicht, wie viele vermuten, nach dem Mauerbau 1961.




Jandorf ließ sich vom Spott seiner Wettbewerber und deren negativer Erwartungshaltung nicht beeindrucken. Die Lage des Kaufhaus des Westens, so die Konkurrenz unisono, sei ja wohl eine Katastrophe. Adolf Jandorf war sich dagegen sicher, dass das KaDeWe erfolgreich sein würde, weil der Hauptantrieb der Menschen, Kaufhäuser aufzusuchen, nicht der Konsum sei, sondern um andere Leute zu sehen und zu treffen und um selbst gesehen zu werden. Selbstbewusst stellte er fest: "Wat Lage ist, bestimme ick!"

Von diesem Selbstbewusstsein wünsche ich mir auch Einiges für unsere Baumarktbranche. Sich hinzustellen und zu sagen, dass man von sich überzeugt und gut sei, dass man so interessant sei, dass die Kunden einfach kommen müssten, und dass einem die Konkurrenz praktisch gleichgültig sei, denn der Erfolgsmaßstab sei man selbst: Wow, das wäre mal ein Zeichen.

Stattdessen herrscht Verzagtheit und Unsicherheit. Vor allem mit dem Blick auf die übermächtig erscheinende Internet-Konkurrenz der großen Portalbetreiber machen sich die Baumarktbetreiber kleiner, als sie in Wirklichkeit sind. Sie scheinen aber auch keine wirkliche Gegenstrategie zu haben. Adolf Jandorfs Optimismus kann da helfen: Jottwede? Egal! Denn wo es lang geht, bestimmen wir.

Herzlichst Ihr

Joachim Bengelsdorf

 

Kontakt
Tel.: +49/7243/575-208 • j.bengelsdorf(at)daehne.de

 

 

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