Kommentar | Editorial

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Pfleglicher Siegel-Umgang

Dr. Joachim Bengelsdorf

Die bekannte deutsche Country- und Western-Band Truck Stop ("Take it easy, altes Haus", "Ich möcht' so gern Dave Dudley hör'n" etc.) hat ihr aktuelles Album mit "Made in Germany" betitelt und wird unter diesem Motto 2017 auch durch die Republik touren. Das "Made in Germany" dieser Gruppe ist quasi die um 32 Jahre verspätete deutsche Antwort auf Bruce Springsteens "Born in the U.S.A.". Es zeigt fast exemplarisch die Unterschiede zwischen den beiden Ländern auf: In Deutschland wird man "gemacht", in den USA "geboren" (wenn Springsteens siebtes Studioalbum von 1984 auch durch eine kritische Grundhaltung geprägt ist). In den Vereinigten Staaten erfolgen Identifikation und Auseinandersetzung mit dem eigenen Land emotional/sozial, in Deutschland technisch/rational.


Das Herz vieler Deutscher hängt an dem Glauben der Überlegenheit der im Land gefertigten Produkte, ähnlich wie man noch Jahre nach der Einführung des Euro der guten, alten D-Mark hinterhergetrauert hat. Dass das Herkunftssiegel national wie international nicht an Bedeutung verloren hat, zeigen neueste Umfragen. Eine aktuelle international angelegte Konsumentenbefragung der Unternehmensberatung Prof. Roll & Pastuch mit 1.200 Studienteilnehmern aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, China und den USA hat ergeben, dass für über 80 Prozent "Made in Germany" ein wichtiges Differenzierungsmerkmal darstellt. Nicht nur, dass viele Konsumenten deutsche Produkte denen unbekannter Herkunft vorziehen würden, die Mehrbezahlungsbereitschaft liegt bei 40 Prozent und mache, so das PT-Magazin, "'Made in Germany' zu einem zentralen branchenübergreifenden Wettbewerbsvorteil".





Mit diesem Vorteil und dem Herkunftssiegel muss aber auch pfleglich umgegangen werden. Gut ein Drittel der Studienteilnehmer assoziiert mit "Made in Germany" branchenbezogene Konsumgüter aus Deutschland (80 Prozent Automobile), hinsichtlich Unternehmen aus unserer Branche (wenigstens teilweise) zu 19 Prozent Bosch (35 Prozent VW). Da die Mehrzahlungsbereitschaft insbesondere mit der hohen Produktqualität, den hohen Sicherheitsstandards und der fortschrittlichen Technologie begründet wird, rütteln Industrie­skandale schnell an diesem Image. Dies wirkt sich zwangsläufig auch auf das Wertempfinden und die Zahlungsbereitschaft aus. So gaben 26 Prozent aller Studienteilnehmer an, dass sich ihre Wahrnehmung von Produkten "Made in Germany" aufgrund des Abgas-Skandals negativ verändert habe. Damit wirken sich negative Entwicklungen beim deutschen  Herkunfts-Label direkt auch auf alle deutschen Hersteller mit ihren Produkten aus. Wer mit "Made in Germany" wirbt, tritt damit nicht nur für sich und seine Produkte ein, sondern für alle. Das bedeutet Verantwortung.

Joachim Bengelsdorf


Kontakt 
Tel.: +49/7243/575-208 • j.bengelsdorf(at)daehne.de

 

 

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