Kommentar | Editorial

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It-Pieces in Grün

Rainer Strnad

"Wann, wenn nicht jetzt?", fragt Andreas Löbke von Co-Concept in seinem Ausblick auf den Gartenmarkt, den er für die Messe Essen geschrieben hat. Was er meint, ist: Garten, Gärtnern, Pflanzen für draußen und vor allem für drinnen - alles, was die grüne Branche zu bieten hat, ist derzeit so was von Trend, dass man sich diese Frage ernsthaft stellen muss: Warum gelingt es dieser Branche nicht besser, die Rahmenbedingungen, die so gut sind wie lange nicht, besser zu nutzen?

"Mühsam", "aus den Augen verloren", "leider", "gelingt nicht", "nicht mit einer Stimme" - Löbkes Text ist voller Begriffe, die alles, nur keine Dynamik wiedergeben. Wie auch! In der Branche scheint business as usual vorzuherrschen, obwohl alle Welt über Klimawandel und Nachhaltigkeit diskutiert, über Themen also, die von der grünen Branche besetzt werden könnten.

Zwei Einwände höre ich jetzt schon (und - bitte! - hören Sie nicht auf, gegen Kommentare in der Fachpresse Einwände zu erheben; nur der Austausch schafft Erkenntnis). Sie lauten: So ganz falsch kann es ja nicht gewesen sein, wenn man sich die Zahlen ansieht. Die Warengruppe Gartenchemie/Erden/Saatgut etwa war in den ersten drei Quartalen 2019 mit einem Plus von fast zwölf Prozent die mit Abstand am stärksten wachsende Warengruppe der Baumärkte. Und dass ausgerechnet Gartenmöbel mit minus drei Prozent am schlechtesten abgeschnitten haben - geschenkt, denn dafür liefen sie im heißen Vorjahr 2018 viel zu gut.

Der zweite Einwand: Aber wir tun doch etwas! Praktisch alle Unternehmen in praktisch allen Produktgruppen haben beispielsweise eine in irgendeiner Weise als nachhaltig ausgewiesene Range im Programm, ob nun Bio-Dünger, Pflanzgefäße aus recyceltem Kunststoff oder irgendetwas für Millennials und deren Urban Jungle.




Alles richtig. Aber wenn man sich ansieht, wie beispielsweise die rasant steigende Beliebtheit von Zimmerpflanzen zustande gekommen ist, dann muss man dem Gartenfräulein, der Influencerin Silvia Appel, zustimmen, wenn sie sagt: "Ich glaube nicht, dass der Trend zu Indoor-Pflanzen und zu Monstera von der Branche gesetzt wurde, sondern dass er aus dem Netz kam."

Man darf vielleicht ergänzen: aus der Mode- und Designwelt, die über das Netz kommuniziert. So ist es auch kein Zufall, dass die Wochenzeitung Die Zeit über den gestiegenen Absatz von Zimmerpflanzen nicht im Wirtschaftsteil berichtete, sondern in einer Ausgabe des Zeit-Magazins, das dem Thema Mode und Design gewidmet war. "Zimmerpflanzen sind das neue It-Piece", stand da. So weit, so gut. Aber dann: "Man kauft sie nicht mehr einfach im Obi oder bei Ikea, sondern in Boutiquen, die Namen wie flores y amores oder flower factory tragen und ein winziges Angebot haben, was man dann 'kuratiert' nennt."

Mit derartigen Geschäftsmodellen lassen sich sicher keine Baumärkte und Gartencenter betreiben. Die Frage ist nur, auf wie viele Kunden man in Zukunft verzichten will und kann, denen das egal ist.

Herzlichst Ihr
Rainer Strnad

 

Kontakt
Tel.: +49/7243/575-207 • r.strnad(at)daehne.de

 

 

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