Kommentar | Editorial

Zurück

Mut zum Discount

Dr. Joachim Bengelsdorf

Geht richtiger Discount in Baumärkten? Eine Frage, die sich die Baumarktbranche seit Jahren, ja seit Jahrzehnten stellt. Schaut man sich etwas um, so taucht aktuell der Begriff "Discount" auch im Zusammenhang mit Baumärkten auf: Neben B1 Discount Baumarkt und Baumarkt Discount (ein Online-Baumarkt) wird auch Sonderpreis Baumarkt (Fishbull) häufig diesem Vertriebstyp zugeschlagen.

Es stellt sich jedoch die Frage, ob die oben aufgeführten Vertriebssysteme auch wirklich echte Discountformate sind oder ob sie nicht vielmehr nur diskontierende Elemente enthalten beziehungsweise "nur" ein Verwertungskonzept von Standorten, Ware etc. sind. Dabei bezeichnet man mit Discounthandel doch Unternehmen des stationären Einzelhandels, die sich tendenziell durch ein relativ schmales und flaches Warensortiment, einfache Warenpräsentation, oft relativ kleine, aber intensiv genutzte Verkaufsflächen und durch geringere Verkaufspreise als bei Mitbewerbern anderer Betriebsformen auszeichnen.

Früher wurde oft Praktiker als Baumarktdiscounter bezeichnet, aber auch Casto Depot, der Versuch von Castorama, in Deutschland Fuß zu fassen, erhielt diesen Titel. Keiner der beiden zuletzt genannten erfüllte die Bedingungen der Definition auch nur näherungsweise: Die Artikelanzahl lag bei 20.000 bis 30.000, die Flächen waren oft riesig und erreichten häufig über 5.000 Quadratmeter. Aldi, Lidl und Co. kommen dagegen mit einer Artikelanzahl im Markt von rund 1.000 aus und die Marktgröße beträgt auch rund 1.000, dieses Mal Qua­dratmeter. Der jährliche Lagerumschlag, die Drehzahl, beträgt bei den klassischen Discountern 52, während normale Baumarktbetreiber froh sind, wenn eine niedrige zweistellige Zahl erreicht wird.




Die NBB versucht jetzt, neben ihren Bauspezi-Baumärkten mit den Bauaktiv Discount-Baumärkten ein neues Format zu etablieren. In diesem Jahr will man insgesamt drei Standorte aufmachen. Das Format der Bauaktiv Discount-Baumärkte ist im Unternehmen selbst entwickelt worden und wird, so die Unternehmens­leitung, auch in Zukunft vollständig selbständig geführt. Mit rund 800 Quadratmeter Verkaufsfläche und um die 8.000 angebotenen Produkte kommt das System echten Discountformaten schon deutlich näher. Eigenmarken dominieren den Markt und man kommt sich etwas zeitversetzt wie in einem Aldi der 1980er Jahre vor.

Die Branche wird das Vorhaben der NBB sicherlich interessiert verfolgen. Es wäre schön, wenn eine neue Baumarkt-Vertriebsform mal wieder am Markt reüssieren würde.

P.S.: Aktuell ist auch wieder unsere Baumarkt-Jahresstatistik erschienen. Sie können die "Statistik Baumarkt + Garten D-A-CH 2019" ab sofort über den Dähne-Shop über den Link www.daehne.de/statistik-baumarkt-garten-2019 bestellen.


Herzlichst Ihr

Dr. Joachim Bengelsdorf

 

Kontakt

Tel.: +49/7243/575-208 • j.bengelsdorf(at)daehne.de

 

 

VERSENDEN
 DRUCKEN 

Kommentar schreiben

* Bitte füllen Sie die rot gekennzeichneten Felder korrekt und vollständig aus.



(wird nicht veröffentlicht)

* Dies sind Pflichtangaben.


Newsletter diyonline.de

Täglich aktuell informiert

Das Neueste aus der Baumarkt- und Gartencenter-Branche immer um 12.00 Uhr per E-Mail auf Ihren Rechner.

Jetzt anmelden

Archiv

Suchbegriff
Suche nach Rubrik
Suche im Heftarchiv