Kommentar | Editorial

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你好 - Ni hao

Rainer Strnad

Vor ein paar Jahren machte ein Gag die Runde, der ging so: Englisch im Kindergarten, um die Kids fit zu machen für die Globalisierung? Nö, mein Kleiner lernt chinesisch, damit er später mal wenigstens in Shanghai kellnern kann, um über die Runden zu kommen.

Inzwischen denkt man: Vielleicht helfen diese Sprachkenntnisse aber auch in Münster, Nagold oder anderen deutschen Städten weiter, wenn die chinesischen Besitzer ihre Firmen dort besuchen.

Im Einzelhandel mischen die Chinesen hierzulande längst mit: Rund 10 Mrd. Euro setzen JD.com und Alibaba in Europa um. Im Jahr 2025, prognostiziert die Strategieberatung Oliver Wysman, werden sie aber insgesamt mehr Umsatz machen als die zehn größten deutschen Handelsunternehmen zusammen.

Eigentlich war es ja umgekehrt gedacht, denn eigentlich wollte der Westen den chinesischen Handel aufrollen. Zumindest mit den Baumärkten ging das gründlich schief: Kingfisher ist mit B&Q im Reich der Mitte gescheitert, Obi ebenfalls, nicht einmal der Gigant Home Depot hat sich in China halten können. Nur die Groupe Adeo hat dort ein paar Showrooms.

Die dramatischeren Folgen für die Europäer dürfte die starke Stellung der chinesischen Wirtschaft aber auf Herstellerseite haben, nicht nur, weil Investoren aus China eine Traditionsmarke nach der anderen übernehmen. Längst ist China nicht mehr die verlängerte Werkbank der westlichen Herstellerwelt, sondern kontrolliert ganze Industriezweige. Bei der Photovoltaik ist das so, bei der Akku-Technologie offenbar auch bald.




Schließlich setzt auch die DIY- und Gartenbranche auf den Akku-Boom. Da ist es ein empfindliches Signal, dass dieser Tage ein Hersteller die Markteinführung neuer, fix und fertig entwickelter Geräte absagen muss, weil er nicht sicherstellen kann, genügend Akkus für eine durchgängige Marktversorgung zu haben. Und es ist beileibe kein Kleiner, dem das passiert ist.

Denn ein Großteil der weltweiten Produktion von Lithium-Ionen-Zellen, dem Grundbaustein der Akkus, wird gerade in die Autoindustrie umgeleitet. Derzeit kontrolliert ein Oligopol aus japanischen (Panasonic/Sanyo, Sony), südkoreanischen (Samsung, LG) und chinesischen (BYD, CATL) Herstellern mit zusammen 90 Prozent Anteil den Markt. Doch China, das schon mehr als die Hälfte der Lithium-Ionen-Akkus weltweit produziert, investiert massiv. Bis 2020, schätzt Germany Trade & Invest (GTAI), dürften 84 Prozent der globalen Kapazitäten in China stehen.

Trotzdem scheuen sich die großen europäischen Konzerne, ihr batteriegetriebenes Schicksal selbst und die geschätzten 1,5 bis 4 Mrd. Euro in die Hand zu nehmen, die der Aufbau einer eigenen Produktion von Lithium-Ionen-Zellen erfordern würde.

Dann doch lieber chinesisch lernen?

Herzlichst Ihr

Rainer Strnad

 

Kontakt

Tel.: +49/7243/575-207 • r.strnad(at)daehne.de

 

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