Kommentar | Editorial

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Real and Fake News

Dr. Joachim Bengelsdorf

Haben Sie eine Vorstellung davon, wie häufig die Redaktionen des Dähne Verlags - nur eine davon ist die Redaktion der Fachzeitschrift diy, die gerade vor Ihnen liegt - aus der nationalen und internationalen Heimwerkerbranche mit echten oder vermeintlichen "exklusiven News", "noch geheimen Informationen aus erster Hand" beziehungsweise mit "vertraulichem Hintergrundwissen" versorgt werden? Das passiert praktisch täglich! Viele wollen etwas gehört haben und sind sich - relativ - sicher, dass ihre Infos stimmen, die Mittelsmänner (und -frauen) glaubwürdig sind. Aus allen Ecken - vom Wettbewerber aus dem Handel, von den Lieferanten, aus den betreffenden Unternehmen selbst, von Journalistenkollegen, um nur einige Möglichkeiten von Quellen zu nennen - werden meinen Kollegen und mir regelmäßig "brandheiße Neuheiten" zugetragen.

Was macht man jetzt damit? Oft reagiere ich zuerst einmal zurückhaltend, denn allzu häufig habe ich die Erfahrung gemacht, dass an dem "Skandal" wenig bis nichts dran und der Neuigkeitswert eher gering ist. Was hilft, ist Branchenerfahrung. Ist die gesteckte Mitteilung möglich, die Quelle glaubwürdig, habe ich Ähnliches bereits gehört? Es findet ein Abwägungsprozess statt. Handelt es sich um offensichtliche "Fake News", was leider gar nicht so selten vorkommt, dann ruht der See still, der "Fall" ist abgehakt.




Wenn etwas dran sein könnte, wenn es also "Real News" sein können, folgt der nächste Schritt: Woher kriege ich eine Bestätigung,  lohnt sich eine direkte Anfrage, ist das Unternehmen dafür bekannt, generell zu mauern, gibt es Dritte, die mir weiterhelfen können? Wie wichtig und drängend ist die verifizierte Information? Ist ein sofort loszuschickender Sondernewsletter gerechtfertigt oder kommt eine Meldung in den normalen Newsletter, der wochentags ja jeden Mittag versendet wird? Gibt es darauf Rückmeldungen und Reaktionen, wie sind die Zugriffszahlen im Netz? Es kann vorkommen, dass eine Information stimmt, aber keine Bestätigung vorliegt, oder aber sie tangiert in einem starken Maße die Persönlichkeitsrechte einer Person, auch dann wird sie nicht veröffentlicht.

Sie sehen, der Grat ist schmal, auf dem Journalisten generell wandeln. Wir müssen uns stets fragen, ob wir unserer Verantwortung auch immer gerecht werden. Dies gebietet der Respekt vor den Lesern, aber auch vor mir selbst. Glauben Sie mir: Es ist manches Mal schwerer als man denkt. Der Verlockung zu widerstehen, eine nicht bestätigte "super-exklusive Information" doch einmal in die Welt zu jagen, ist nicht leicht. Gemacht habe ich dies auch schon mal - leider.

Herzlichst Ihr
Dr. Joachim Bengelsdorf
 
Kontakt
Tel.: +49/7243/575-208 • j.bengelsdorf(at)daehne.de

 

 

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