Der Obi-Trabant

Lange Zeit war Wermelskirchen eher bekannt dafür, dass man primär über personelle Verände­­­rungen oder Franchise-Querelen berichten musste, weniger über neue Konzepte und Systeme. Das hat sich aber gewal­­­tig geändert. Sergio Giroldi hat die Nummer eins der deutschen Baumarkt­betreiber unter Dampf gesetzt. Selbst nicht allzu wohlmeinende Obi-Begleiter geben zu, dass man in der selbsternannten DIY-Hauptstadt Deutschlands in den vergangenen Jahren seine Hausaufgaben gemacht hat. Die Umsatzrendite gehört, glaubt man In­si­­­dern, zu den höchsten in der Branche. Das ist auch ein Verdienst der neuen Strukturen und Systeme. Jetzt hat Giroldi für Obi einen Paradigmenwechsel angekündigt. Weshalb? Weil der Kunde seiner Meinung nach diesen Wechsel selbst herbeiführt. Dieser unterscheidet nämlich zukünftig nicht mehr zwischen stationären und virtuellem Han­­­del, löst sich von Ladenöffnungszeiten, beschränkten Sortimenten und Out of Stocks. Der Kunde will alles, jederzeit, sofort. Darauf müsse Obi Antworten geben. Das Kleinflächenkonzept in Miesbach (s. Ti­telgeschichte in diy 10/2012) ist eine Antwort auf diese neuen Herausforderungen. Zusammen dem Online-Portal, das massiv an Bedeutung gewinnt, will Obi u. a. mit diesem Konzept ­näher an die Kunden ran. Die Zukunft, so sieht es der Obi-Chef, liege nicht mehr bei den Big Boxes, er sieht sie vielmehr eher in den kleineren Formaten. „Retail is local“, sozusagen. Und lokal ist die Zukunft. Wie stationäre Monde „umkreisen“ zukünftig mehrere Obi-Kleinflächenstandorte einen zentralen größeren Markt, der als Hub für die Trabanten (= Begleiter) dienen soll. Dieses Konzept soll beileibe nicht nur in Deutschland umgesetzt werden, sondern in allen Ländern, in denen Obi aktiv ist. Das bedeutet zuerst einmal eine bedeutende logistische Herausforderung für das Gesamtunternehmen, denn die Logistikprozesse, die durch das neue Konzept entstehen, sind äußerst komplex. Und dann kann man Obi natürlich nur viel Spaß und Glück bei der Suche nach geeigneten Gewerbe-­Immobilien wünschen. Denn das Trabanten-Konzept soll gerade für Ballungsräume eine Antwort sein. Das Geld dazu hat Obi inzwischen. Vieles kann direkt aus dem Cashflow finanziert werden, das Unternehmen hat gutes Geld. Und dann hat man in der Vergangenheit zwei Optionsscheinen ähnliche Anleihen ausgegeben. Die eingenommenen Gelder liegen unberührt in der Kriegskasse des Unternehmens. Dr. Joachim Bengelsdorf Download: Der Obi-Trabant (PDF-Datei)
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