Rainer Strnad
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Kommentar

Groß und klein

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Es war nicht so geplant und hat sich eher so ergeben: In diesem Jahr habe ich mich sehr häufig mit kleineren Akteuren der Baumarktszene beschäftigt. So habe ich zum ersten Mal ausführlich über V-Baumarkt berichtet, habe die Zentrale der 3e AG in Österreich besucht und eine ganze Sonderbeilage über die Bauvista begleitet. Für die aktuelle Ausgabe habe ich den IGCA-Weltkongress der inhabergeführten Gartencenter in München besucht, und Titelgeschichte ist Euro-DIY mit ihrem Werkmarkt-Konzept. Und ein paar Tage, nachdem Sie das Heft auf dem Schreibtisch haben, werde ich zu Gast bei Krämer Einkauf + Marketing sein.  

Es gibt einen Begriff, der meine Erfahrungen und Gespräche mit diesen Unternehmen in einem Wort zusammenfasst: Individualität. Das ist die einzige Chance für die „kleinen“ Akteure, in der Konkurrenz mit den großen Ketten und Kooperationen nicht kapitulieren zu müssen. Individualität heißt nichts anderes als: wissen, was die Kunden vor Ort wirklich wollen, und fähig sein, diesen Bedarf mit dem individuell erarbeiteten Angebot zu decken.

Oft wird mir in diesem Zusammenhang übrigens auch gesagt, es sei die Leidenschaft, die den Unterschied zu den Großen ausmache. Da bin ich skeptisch, nicht nur, weil ich unter Leidenschaft etwas wirklich anderes verstehe (so wie für mich ein Kunden„erlebnis“ kein Erlebnis, sondern die hilflose Übernahme eines englischen Schlagworts ist), sondern auch, weil ich das, was mit dieser Leidenschaft gemeint ist, auch bei den Großen wahrnehme.

Dass mich das Thema „groß und klein“ ausgerechnet jetzt beschäftigt, da Hellweg vom Markt verschwindet, ist natürlich reiner Zufall. Aber darüber nachdenken muss ich halt doch: Von diesem respektablen Baumarktbetreiber hat man sich, so lange ich denken kann, gefragt, was wohl sein individuelles Profil sei.

Hellweg und Baywa Bau & Garten sind mit ihren Jahresumsätzen zusammen zwar über die Milliarden-Euro-Grenze gekommen, aber damit war die Gruppe halt weder groß noch klein, sondern steckte in der Mitte fest, also in der Position, vor der alle warnen. So mittel – Individualisten passiert das nicht.

Allerdings hat Hellweg diesen Management-Lehrsatz sehr lange Lügen gestraft. „Es war mein fünfter Tag auf der neuen Stelle, als die Meldung kam, Hellweg gehe pleite“, erinnert sich mein Vorgänger, der langjährige diy-Chefredakteur Joachim Bengelsdorf. Er hat im Jahr 1999 bei diy angefangen. Hellweg war nicht kurzfristig weg.

Klar, langfristig sind wir alle tot. Aber gut ist es nicht, wenn ein…

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