EHI-Studie zu Inventurdifferenzen im Handel

Jeder 200. Einkaufswagen unbezahlt

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Der größte Teil der Diebstähle geht auf Kunden zurück. 
30.06.2021

Pandemiebedingt war das Einzelhandelsjahr 2020 durch viele außergewöhnliche Einflüsse und Veränderungen geprägt, die sich auch im Bereich der Inventurdifferenzen im Handel zeigen, wie die EHI-Studie „Inventurdifferenzen 2021“ belegt. So gab es bei der Summe der Inventurdifferenzen 2020 ein Rückgang von rund 5 Prozent auf 4,2 Mrd. Euro.

Die Inventurdifferenzen, deren Summe im Jahr vor Corona noch 4,4 Mrd. Euro betrug, sind 2020 im gesamten Einzelhandel gesunken. Der darin enthaltene Verlust durch Diebstahl beträgt 3,36 Mrd. Euro, rund 10 Prozent weniger als im Vorjahr (3,75 Mrd. Euro). Kunden haben im vergangenen Jahr den Studienergebnissen zufolge Waren im Wert von 2,16 Mrd. Euro gestohlen, für 885 Mio. waren Mitarbeitende verantwortlich und 315 Mio. Verlust gehen auf Diebstähle durch Lieferanten und Servicekräfte zurück. Rund 65 Prozent der Diebstähle entfallen demnach auf Kunden, knapp 26 Prozent auf Mitarbeitende und etwa 9 Prozent auf Lieferanten und Servicekräfte. 840 Mio. Euro Schaden seien durch organisatorische Mängel, beispielsweise durch falsche Preisauszeichnungen entstanden, so das EHI. „Rein statistisch gesehen wurde durch jede Person in Deutschland ein Warenwert von knapp 26 Euro pro Jahr gestohlen“, erläutert Frank Horst, Sicherheitsexperte des EHI, und fügt hinzu: „Sinnbildlich auf den Einkauf bezogen bedeutet dies, dass rund jeder 200. Einkaufswagen unbezahlt die Kasse passiert hat.“ Dem Staat ist durch den Diebstahl im Jahr 2020 ein volkswirtschaftlicher Schaden von rund 420 Mio. Euro entstanden.

Weniger angezeigter Diebstahl

Auch die Anzahl der angezeigten Ladendiebstähle ist erneut gesunken, um 6,69 Prozent. Die einfachen Ladendiebstähle sind dabei um 6,72 Prozent auf 283.143 Fälle (Vorjahr: 303.552 Fälle) zurückgegangen. Während die einfachen Fälle in den vergangenen zehn Jahren um knapp 25 Prozent abgenommen haben, entwickelt sich die Anzahl der angezeigten schweren Ladendiebstähle längerfristig betrachtet negativ. Zwar sind sie im vergangenen Jahr um 6,17 Prozent auf 20.862 Fälle zurückgegangen, innerhalb der vergangenen zehn Jahre haben sie um fast 70 Prozent zugenommen.

Um ihre Waren vor Langfingern zu schützen, gaben die Handelsunternehmen in Deutschland laut dem Institut im Jahr 2020 im Durchschnitt aller Branchen knapp 0,30 Prozent ihres Umsatzes aus, rund 10 Prozent weniger als in den Vorjahren. Demnach steckte der Handel 1,3 Mrd. Euro in Sicherheits- und Präventionsmaßnahmen. Addiere man diese Kosten mit dem gesamten Verlust durch Inventurdifferenzen, seien dem Handel 2020 insgesamt 5,5 Mrd. Euro und damit 1,26 Prozent seines Umsatzes entgangen, so ein weiteres Ergebnis der Studie.

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