Wieder einmal saß ich in einem Kongress, wieder einmal stand China auf dem Programm – dieses Mal mit gleich zwei Vorträgen –, und wieder einmal fiel in keinem der beiden Vorträge ein einziges Mal das Wort, das mir immer durch den Kopf geht, wenn ich an China denke: Diktatur.
Bei den Vorträgen auf den Retail Innovation Days der DHBW Heilbronn ging es natürlich nicht um Politik. „Alldomain Commerce vs. Omnichannel – Warum Digital China Handel grundsätzlich anders denkt“ hieß der Titel des einen Vortrag. Referent war Björn Ognibeni, der sich ausdrücklich nicht als Chinaexperte versteht, sondern als „Practical Visionary“. Seine grundsätzliche Fragestellung lautet: „Wie können wir von China lernen?“ Schließlich sei das „der einzige Ort auf der Welt, der nicht vom Silicon Valley abhängt“. Da schluckt man erst recht.
Den anderen hielt der Director Gouvernment Relations von Shein in Europa, Lutz Reulecke. Er stellte die chinesische Plattform als einen globalen Online-Händler mit dieser Mission vor: „die Schönheit der Mode für alle zugänglich machen.“
Warum sollte man in diesem Kontext über das politische System der Volksrepublik sprechen? Weil es – das lässt sich aus der Perspektive der freien Marktwirtschaft sehr gut erkennen – einen Unterschied macht, ob Entscheidungen, also auch wirtschaftliche Entscheidungen, von freien oder von unfreien Menschen getroffen werden.
Das macht diese Menschen nicht zu schlechten Menschen, aber zu Verhandlungs- und Geschäftspartnern, die die Bedingungen des Wirtschaftssystems, in dessen Rahmen sie agieren, stets präsent haben müssen. Was dieses Wirtschaftssystem des Staatskapitalismus im Umgang mit Konkurrenten bedeutet, muss derzeit die deutsche Autoindustrie lernen. Massive Subventionen sind nur ein Teil davon. Diktatoren müssen die Verwendung des Staatsbudgets schließlich nicht Wählern gegenüber rechtfertigen, weil es keine Wähler gibt.
Chinesische Firmen sind längst keine verlängerten Werkbänke mehr, sondern Akteure in der ersten Reihe: mit eigenen Produkten, Marken und Innovationen. Warum sollte, was in der Autobranche aus chinesischer Sicht immer besser funktioniert, nicht auch in anderen Branchen, in denen es um technische Geräte geht, funktionieren?
Dem Kunden, sagt jeder, den ich dazu befrage, sei der Preis wichtiger als die Moral (um dieses nur mittel beliebte Wort wenigstens einmal zu bemühen). Anders als die Ikea-Kunden in den Siebziger- und Achtzigerjahren, die ihren Billy mit Schrauben aus Zwangsarbeitsproduktion in…












