Praktiker: Stand der Diskussion

10.07.2013
Noch nie hatten Sondermeldungen und eine Umfrage für so zahlreiche Seitenaufrufe auf www.DIYonline gesorgt wie gestern.

Fällt heute eine Entscheidung? Die Kündigung der Verträge der Warenkreditversicherer (s. u. a. Aktiencheck.de und Finanznachrichten.de) hat bei den Praktiker-Lieferanten für eine große Unruhe gesorgt. Immer mehr Ware wird wieder aus den Märkten herausgeholt. Die heutige, seit zehn Uhr laufende Aufsichtsratssitzung könnte erste Signale geben, wohin die Reise mit Praktiker geht. Unsere gestrige Umfrage hat mit rund 450 Teilnehmern und einer Fülle an Kommentaren für einen neuen Besucherrekord auf DIYonline gesorgt. Demnach geben(bis 12 Uhr am 10.7.2013) rund 53,5 Prozent der Abstimmenden Praktiker keine Chance mehr, 30,5 Prozent billigen dem Unternehmen eine reelle Überlebenschance zu und rund 14 Prozent raten, zuerst noch einmal mit einem Urteil abzuwarten. Nachfolgend eine orthografisch geglättete Zusammenfassung der Diskussionsbeiträge, die im Rahmen der Praktiker-Umfrage geschrieben worden sind: „Der DIY-Markt steht in diesem Jahr aufgrund der ersten sechs Monate derartig unter Druck, dass es bereits ohne das schlechte Krisen-Management für Praktiker schwer geworden wäre. Da es dem Management in der bereits drei Jahre andauernden Schieflage nicht gelungen ist, rechtzeitig einen konsequenten Weg in der Restrukturierung und -positionierung zu wählen, wird Praktiker aus heutiger Sicht nicht überleben. Ist dies nur der Beginn einer schon lange erwarteten Konsolidierung des deutschen DIY-Marktes? „ „Die regelmäßig zum Monatsende stattfindenden Rabattaktionen bei Max Bahr (bis 30 Prozent)und Praktiker (bis 35 Prozent) zeigen klar, dass man mit größten Anstrengungen zum Monatsende Liquidität erhalten muss um Löhne, Mieten und die sonstigen Kosten noch bezahlen zu können. Dieses Vorgehen hat ein natürliches kurzfristiges Ende, da die Liquidität nicht mehr für neue Ware vorhanden ist und die Regale jetzt bereits sehr leer sind und der Kunde nur noch begrenzt seinen Bedarf decken kann. Dieser Zustand wird jeden Monat schlimmer, so dass immer weniger Kunden bereits sind, aus den „Resten“ ihren Teilbedarf zu decken. Durch das Zahlungsziel der Warenrechnungen von durchschnittlich 60 Tagen oder bei den Max Bahr-Umbauten von ca. 180 Tagen verkauft der Konzern Waren, die ihm noch gar nicht gehören und nutzt die Liquidität, um laufende Kosten auszugleichen. Bereits jetzt ist wahrscheinlich klar, dass der Lieferant für seine gelieferte Ware kein Geld mehr bekommt. Entsprechend holen die Lieferanten lieber ihre Ware wieder ab. Selbst die Abfindungen der ausscheidenden Mitarbeiter muss Praktiker bereits auf Raten bezahlen, da die Liquidität fehlt. Wer sich die umgebauten Praktiker-Märkte, die jetzt unter Max Bahr firmieren, mal angesehen hat, erkennt schnell, dass dieses Konzept nicht aufgehen kann, da es sich nur um schlecht nachgebildete Max Bahr-Märkte handelt, die mit minimalem Aufwand umgebaut wurden und mit schlecht geschulten Personal das Max Bahr-Konzept umsetzen sollen. Das kann nicht funktionieren.“ „Hauptsache, dieses Käseblatt schließt bald. Die paar Abstimmungen sind doch nicht repräsentativ. Außerdem kümmert die Meinung dieser paar Leutchen hier keinen.“ „Schade, dass Sie versuchen, eine Firma schlecht zu schreiben. Die Mitarbeiter sind Ihnen anscheinend egal.“ „Praktiker meldet morgen Insolvenz an.“ „Die bekommen das wieder hin. Würde es mir jedenfalls wünschen, dass sie es schaffen - alleine wegen Max Bahr, denn das ist somit der einzige Baumarkt, der zu was zu gebrauchen ist.“ „Möglich, dass Familie Möhrle als Besitzer vieler Marktgrundstücke alles wieder zurück kauft.“ „Ich sehe für Praktiker keine Zukunft. Man kann Lieferanten nur wünschen, dass sie da mit einem „Blauen Auge“ davon kommen. Wer den Preis zur Hauptargumentation macht, ist für seine Misere selbst verantwortlich. Schon der Vertriebsassistent lernt im Anfängerverkaufstraining, nicht mit dem Preis zu argumentieren.“ „Steht Praktiker vor dem Aus? Ich meine ja. Kein vollständiges Sortiment = noch weniger Kunden, frustrierte Mitarbeiter und keine Information der Geschäftsführung. Die Marke Praktiker ist verbrannt. Eine geordnete Insolvenz ist die beste Lösung.“ „Nicht so schnell. Es wäre sehr schön, wenn Sie Kommentare abgeben, die auch stimmen. Und: Das Fell wird am Ende verteilt.“ „Über zig Jahre, Monat für Monat, später Woche für Woche Rabatte bis 25% und mehr, da merkt irgendwann der naivste Verbraucher, dass da etwas nicht stimmen kann. Nach Preisvergleichen bei Wettbewerbern wurde immer mehr Kunden klar, wo da der Haken ist. Bsp.: Die identische Mischbatterie bei Hagebau 49,- €, bei Praktiker 75,- €, da muss der Rabatt dann über 50 % sein, um erst einmal Preisgleichheit zu bekommen, geschweige denn einen Preisvorteil. Die sehr großen Sortimentslücken der letzten Monate bei Praktiker und Max Bahr führen zwangsläufig dazu, dass sich Stammkunden neu orientieren müssen. Laufend umsonst hingehen und dann doch woanders kaufen, das macht man nicht ewig mit. Bsp.: OSB- Platten, die gibt es bei Max Bahr und Praktiker häufig wochenlang nicht.“ „Wer nur den Preis als "Vertriebsstrategie" einsetzt, braucht sich nicht wundern, wenn er vom Markt verschwindet. Dazu noch Personalabbau in den Märkten. „Geiz ist geil“ ist doch nicht der Weg. Qualität sei Dank.“ „Das Aus für Praktiker ist absehbar bei dem Management. Aber dieses Management sollte sicher sanft fallen. Sie sollten statt der Praktiker-Aktien lieber Mars oder Twix-Riegel o. ä. kaufen. Diese sind mehr wert und man wird auch noch satt.“ „Wenn sie die Auslandsaktivitäten schnell verkaufen, leben sie noch einige Zeit.“ „Rabattaktionen sollten eingestellt werden - gemacht wurde genau das Gegenteil und jetzt ... 20% auf ALLES, außer Tiernahrung, hat keine Existenzberechtigung im Handel. Die, die das verursacht haben, sind mit einem goldenen Handschlag schon lange von Bord.“ „Wer immer der Billigste sein will!“ „So läuft´s, wenn Egomanen wie Banker (nicht klassische Bankiers) ohne Empathie agieren - statt den Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten zuzuhören.“ „Tod von Praktiker: Das ist das Resultat jahrelanger Misswirtschaft.“
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