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Wirtschaftsmodell | Langfassung

Europa 2040

Theresa Schleicher entwirft eine neue Wirtschaftszukunft des Kontinents. Die klingt erst einmal anstrengend. Dabei sieht die Handelsexpertin Anlass zu: Zuversicht. 
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Ich sage etwas, das gerade niemand hören wollte: Es ist gut, dass die Wirtschaft ins Wanken gerät. Gut, dass Bündnisse instabil werden. Es ist sogar ok, dass Marken und Preise auf die Probe gestellt werden.

Das meine ich nicht zynisch oder respektlos, sondern als Anmerkung zu verstehen, dass all das, was gerade auftaucht, uns helfen wird, das kommende Zeitalter erfolgreich zu bestreiten. Und weil es höchste Zeit wird, zwickt es überall.

Genau gesehen gibt es keine Omni- oder Multi-Krisen in der Wirtschaft – das Wort absoluter Orientierungslosigkeit. Es gibt eine große Aufgabe, und mehrere Werkzeuge, um sie zu lösen. Da wir die Werkzeuge allerdings nicht richtig nutzen, werden sie zur Neben-Baustelle. Die Aufgabe ist dringlich: mit weniger Ressourcen (Menschen und Material) genug Ertrag und Produktivität zu erzeugen, um Sicherheit, Wohlstand und Wohlgefühl in Deutschland und Europa 2040 zu halten. Mit dieser Präzision sind wir in Europa vorne dran.

Das ist vielleicht das erste Narrativ, das es zu klären gilt: Wir sind nicht hinterher, sondern ganz weit vorne. Europa und Deutschland sind der Testmarkt großer Innovationen, die für alle anderen später kommen. Wir sind die reifste Nation mit dem höchsten Altersdurchschnitt von 47 Jahren in Europa 2040 (im Vergleich zu Afrika mit 22 Jahren), mit dem größten Anteil an Menschen in der Mittelschicht und hoher Bildung, und wir haben eine größtenteils offene, sozial ausgelegte Gesellschaft. Wir haben andere Themen als die meisten derzeit – und Innovationsfelder, die 10 bis 20 Jahre später die anderen Länder vor sich haben und Lösungen brauchen.

Die Klimakrise ist der Wink mit dem Zaunpfahl, Kreislaufwirtschaft als Wohlstand zu verstehen. Wer in diesem Sommer den Ausverkauf der Klimaanlagen erlebt hat, weiß, wenn es heikel (oder „heiß“) wird und man nicht vorgesorgt hat, dann wird's teuer – das Prinzip trifft genauso Unternehmer. Gesellschaftlich verschiebt sich längst etwas. Ressourcenschonung heißt nicht einfach, Recycling-Produkte anzubieten oder wiederverwertbare Verpackungen. Es heißt, Verfügbarkeit und Materialströme zu verstehen, um aus diesem Wissen Produkte und vor allem Infrastruktur und Partnerschaften zu bauen. In Europa beansprucht allein der Bausektor etwa die Hälfte der geförderten Rohstoffe. Die neue Wirtschaft beginnt mit einer nüchternen Bestandsaufnahme. Welche Materialien liegen in Europa, auch als „urban mine“ in bestehenden Bauten und Produkten? Wie verlässlich sind die Lieferquellen? Was muss der…

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