Das Wohnungsdefizit hierzulande verharrt auf einem Rekordhoch. Aktuell fehlen bundesweit 1,35 Millionen Wohnungen. Das kostet Deutschland 0,6 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) und in der Folge einen Wohlstandsverlust von insgesamt mindestens 1 Prozent. Das geht aus dem „Bau-Monitor 2026“ hervor, den das Pestel-Institut im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) erstellt hat.
Deutschland erlebe einen Zustand, den es so noch nie gegeben habe, schreiben die Wissenschaftler. „Es werden so viele Wohnungen gebraucht wie lange nicht. Und es werden so wenige Wohnungen gebaut wie lange nicht. Beides kommt zusammen: Das ist toxisch. Die Folge ist der Kollaps auf dem Wohnungsmarkt“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut.
Im vergangenen Jahr wurden bundesweit rund 84.600 Wohnungen – und damit über 9 Millionen Quadratmeter Wohnfläche – weniger gebaut als noch zwei Jahre zuvor. Allein den Bau trifft damit in nur zwei Jahren – vom letzten „starken Baujahr“ 2023 bis zum Tiefpunkt der Bautätigkeit in 2025 – ein Netto-Umsatzverlust von rund 26,9 Mrd. Euro, so das Institut.
Allein bei der Umsatzsteuer habe der Staat im vergangenen Jahr 5,1 Mrd. Euro und bei der Grunderwerbsteuer 1,9 Mrd. Euro weniger eingenommen als dies bei einer noch stabilen Bautätigkeit der Fall gewesen wäre. Dazu kommen, so die Wissenschaftler, Arbeitsplätze, die durch den Absturz des Wohnungsbaus verloren gegangen sind. „Ebenso freie Stellen, die nicht besetzt werden können, da Wohnungen fehlen“, so Günther.
Wirtschaftsoffensive gefordert
Um mehr Wohnungen zu schaffen, spricht sich das Institut für eine „Wirtschaftsoffensive Wohnungsbau“ aus. BDB-Präsidentin Katharina Metzger fordert ein „Dynamik-Paket ‚Wohnen macht Wirtschaft‘“. Der Bund müsse den schwer angeschlagenen Wohnungsbau jetzt massiv unterstützen, unterstreicht sie. Das müsse für den bezahlbaren Mietwohnungsbau und für den Neubau von Sozialwohnungen gelten, fordert Michael Knüppel vom Präsidium des Baustoff-Fachhandels, „insbesondere auch für die Unterstützung des Wohneigentums. Aktuell stürzt die Zahl neu gebauter Ein- und Zweifamilienhäuser enorm ab.“
Gebäudetyp E im Blick
Der BDB fordert darüber hinaus mehr Tempo beim „Gebäudetyp-E-Gesetz“. „Dabei geht es darum, Bauen deutlich einfacher zu machen. Und das rechtlich auf feste Füße zu stellen. Also darum, künftig deutlich günstiger bauen zu können – ohne überzogene Normen und Auflagen“, so die BDB-Präsidentin.
Zudem fordert der Verband eine monatliche „Bundesstatistik der Baubeginne“. Es sei wichtig, genau zu wissen, für wie viele Wohnungen der Bau neu begonnen habe. Diese würden in der Regel auch fertiggestellt. Bei Baugenehmigungen, die bereits erfasst werden, sei das anders: „Es können fünf lange Jahre vergehen, bis aus einer Baugenehmigung eine Wohnung wird. Außerdem wird längst nicht aus jeder Baugenehmigung am Ende auch eine Wohnung“, so Metzger.












