CORONA Magazin | Folgen des Coronavirus

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Nichts Genaues weiß man nicht

Nutzen: eher gering; Nachfrage: sehr hoch – Atemschutzmarken waren Mangelware. (Foto: Picasa)

Nutzen: eher gering; Nachfrage: sehr hoch – Atemschutzmarken waren Mangelware. (Foto: Picasa)

Der Coronavirus und die Lungenkrankheit Covid-19 breiten sich immer weiter aus. Die Eisenwarenmesse wurde auf Februar 2021 verlegt, die wirtschaftlichen Folgen sind unklar.

Je zeitlich näher die Internationale Eisenwarenmesse in Köln rückte, desto mehr schien sich Panik breit zu machen - unter den Ausstellern, den Besuchern, den Lieferanten, den Handelsunternehmen, am Schluss auch bei den Messeverantwortlichen, was verständlich war. Corona war King, Sars-CoV-2, so die offizielle Bezeichnung des Virus, war das bestimmende Thema in der Baumarktbranche. Da konnte die Koelnmesse noch so sehr auf ihre Vorsichtsmaßnahmen hinweisen, es half nichts. Am 25. Februar 2020, also fünf Tage vor dem geplanten Messebeginn, zog sie die Reißleine und gab die Verschiebung der Internationalen Eisenwarenmesse auf den Februar 2021 bekannt.


Der sogenannte "Wuhan-Coronavirus" tauchte erstmals im Januar 2020 in der zentralchinesischen Stadt Wuhan auf. Erste Meldungen über Erkrankungen durch ein bis dahin unbekanntes Virus, das die Erkrankung Covid-19 auslöst, erfolgten allerdings bereits Ende Dezember 2019. Ab der zweiten Januarwoche 2020 schälte sich nach und nach heraus, dass ein hochinfektiöses Virus sich in der chinesischen Provinz Hubei ausbreiten würde. Die chinesische Regierung reagierte hart und riegelte Wuhan im Umfeld des chinesischen Neujahrsfestes am 25. Januar 2020 quasi ab, Produktionsstätten, Büros und Behörden wurden geschlossen und dazu angehalten, auch nach den Feiertagen nicht wieder zu öffnen. Die Menschen blieben zuhause, vireninfizierte Wohnungen wurden sogar mitsamt Bewohnern "vernagelt", das öffentliche Leben lag brach.
Während in China die staatliche Zensur versuchte, Meldungen über die Ausbreitung des Coronavirus zu unterbinden, nahm gleichzeitig die Berichterstattung in den westlichen Medien zu. Würde es gelingen, die Ausbreitung des Virus zu verhindern, seine Verbreitung einzudämmen? Dabei war bereits die erste Erkrankung außerhalb Chinas am 13. Januar 2020 in Bangkok erfolgt. Der erste Todesfall infolge von COVID-19 wurde in China am 9. Januar 2020 gemeldet, der erste außerhalb Chinas in Südkorea. Am 27. Januar 2020 erreichte der Coronavirus Deutschland, kurz danach auch Italien. Der Flugverkehr von Europa nach China wurde praktisch eingestellt.


Wie sollte man mit der Ausbreitung des Coronavirus umgehen, wie sollten Wirtschaft und Messeveranstalter darauf reagieren? Bereits die Ambiente und auch andere im Februar stattfindende Messen spürten die ersten Auswirkungen: Zuerst blieben nur einige Aussteller fern, die Besucherzahlen sanken. Immer mehr Handelsunternehmen und Lieferanten untersagten ihren Mitarbeitern Reisen nach China. Zuerst sagten nur vereinzelte Aussteller ihre Teilnahme an der Eisenwarenmesse ab, dann immer mehr. Am Schluss blieben beispielsweise auf dem DIY-Boulevard von fast 70 ausstellenden Unternehmen keine zehn mehr übrig. Branchenverbände wie der BHB und der ZHH reagierten erleichtert über das Canceln der Eisenwarenmesse.


Inzwischen wird fast jede größere Messe in Europa, die einen nennenswerten Anteil ausländischer, vor allem chinesischer Besucher und Aussteller hat, abgesagt oder verschoben: die Mobilfunk-Messe in Barcelona, die ITB in Berlin, die Light + Building in Frankfurt/Main. Stand erste Märzwoche wurden weltweit bereits über 500 Messen abgesagt oder verschoben. Frankreich verbot Großveranstaltungen ab 5.000, die Schweiz sogar Events ab 1.000 Personen.
Natürlich haben viele deutsche Unternehmen Angst, dass ein einziger Corona-Fall in ihrem Unternehmen ausreichen könnte, eine ganze Produktion oder die ganze Firma stillzulegen. Das wäre die nationale Komponente. Hinzu kommt die ganze Beschaffung, das Sourcing in Fernost. Man kann als europäisches Unternehmen augenblicklich schlechter vor Ort tätig werden, weil Reisen untersagt sind. Darüber hinaus ruhen ganze Produktionszentren in China. Solange noch Container aus China bei uns ankommen, merken wir von den Auswirkungen dieses Stillstands wenig bis nichts. Aber danach? Dabei muss es gar nicht darum gehen, dass Produkte deutscher Hersteller- und Handelsmarken in Gänze in Fernost gefertigt werden müssen. Es reichen ja auch schon einzelne Komponenten wie Akkus, dass auch bei uns mittelfristig eine Produktion zum Erliegen kommt.

Die deutsche Bevölkerung reagierte zwischenzeitlich mit Hamsterkäufen: Schutzmasken, Toilettenpapier, Desinfektionsmittel, aber auch Nudeln und Konserven waren regional und zeitweise ausverkauft. Die OECD senkte ihre Prognose für die Entwicklung der Weltwirtschaft von 2,9 auf 2,4 Prozent, in Deutschland von 0,6 auf 0,3 Prozent - allerdings unter der nicht sehr realistischen Erwartung, dass sich das Virus nicht weiter verbreite. OECD-Chefökonom Laurence Boone hält eine Rezession in Japan, in den USA und in der Eurozone für ein reales Risiko. Die Börsenkurse rutschten weltweit rapide ab und Bundes- und Landespolitiker riefen nach Konjunkturprogrammen. In China sank im Februar der Pkw-Absatz gegenüber dem Vormonat um 80 Prozent. Die Weltbank stellt Entwicklungsländern für den Kampf gegen den Coronavirus Kredite und Hilfsgelder von insgesamt zwölf Milliarden US-Dollar zur Verfügung.


Welche Auswirkungen Covid-19 tatsächlich auf die Lieferketten haben wird - keiner weiß es so genau. "Die meisten Prognosen beruhen noch auf der Annahme, das neue Virus rufe eine regional und zeitlich beschränkte Krise hervor. Wenn sich das nicht bewahrheiten sollte, wenn also der Stillstand in China länger dauert oder Deutschland stärker von dem Virus befallen wird, dann lässt sich der wirtschaftliche Schaden viel schwerer vorhersagen", meint "Die Zeit". Und auch das Bundeswirtschaftsministerium zeigt sich in seiner Lage- und Folgeneinschätzung sehr zurückhaltend: "Die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft sind nach bisherigen Erkenntnissen schwer abzuschätzen. Aus aktuellen Umfragedaten lassen sich derzeit noch keine größeren gesamtwirtschaftlichen Effekte ableiten. Je länger die Epidemie anhält, desto stärker können sich jedoch auch Auswirkungen zeigen. Wie sich diese entwickeln, ist gegenwärtig aber nicht abzuschätzen, weil der weitere Verlauf nicht vorhersehbar ist." Auch die BHB-Verantwortlichen agierten verständlicherweise äußerst zurückhaltend bei ihrer Jahrespressekonferenz in Köln Anfang März 2020 auf Fragen nach den Folgen der Coronavirus-Epidemie.


Ein breites Meinungsspektrum zeigt auch unsere Umfrage zu diesem Thema auf www.diyonline.de. Dass auch die deutsche DIY-Branche von den Auswirkungen der Lungenkrankheit Covid-19 betroffen sein wird, dem stimmen die meisten zu: irgendwie halt. Ein klares Meinungsbild ergibt sich allerdings nicht. Eine Folge hatte der Virus auf jeden Fall: In den ersten zwei Monaten des Jahres 2020 sank der Absatz des Corona-Biers, das in rund 180 Ländern verkauft wird, um 170 Millionen US-Dollar. Bier-Konsumenten in den USA äußer­ten den Verdacht, dass das Corona-­Bier vielleicht doch den Virus verursache.

Dr. Joachim Bengelsdorf

 

 

4/2020
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