„Bio“ läuft auch im Gartencenter – wenn es richtig gemacht wird, sagen die Praktiker aus der Denkfabrik.
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„Bio“ läuft auch im Gartencenter – wenn es richtig gemacht wird, sagen die Praktiker aus der Denkfabrik.
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German Retail Lab

Alle reden von Corona. Wir reden vom Klima.

Das Thema Nachhaltigkeit zu vernachlässigen ist auch öko­nomisch gefährlich, warnt die Denkfabrik Garten. Wir fassen  ihr Positionspapier – zugegeben: kommentierend – zusammen. Denn es fordert Haltung und formuliert undiplomatisch Mindest­standards für die grüne Branche. 
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Alle reden über Corona. Die Denkfabrik Garten im German Retail Lab nicht. Die 21 Persönlichkeiten aus dem grünen Markt haben den Mut, an einem Thema festzuhalten, das die Branche noch lange nach der Pandemie beschäftigen wird – ein Thema, das die Branche in den vergangenen Jahren zwar nicht unbedingt vernachlässigt hat, das sie aber auch nicht wirklich in den Mittelpunkt gerückt hat, und das, obwohl die grüne Branche es doch irgendwie schon im Namen trägt: Nachhaltigkeit.

Dazu hat die Gruppe unter der Leitung des früheren Dehner-Geschäftsführers Hans-Jürgen Kendziora „Handlungsempfehlungen zur Nachhaltigkeit im grünen Markt“ vorgelegt; Franz-Josef Isensee, der ehemalige Sagaflor-Vorstandschef, hat die Diskussionsergebnisse darin zusammengefasst.

Und die haben es, auch wenn der Titel ein wenige hölzern klingen mag, in sich. Schon in der Einleitung kommen die Mitglieder – und es sind mit Sicherheit keine Öko-Aktivisten – zur Sache: Die „unerwarteten Zuwächse im Bau- und Gartenfachhandel durch die Corona-Pandemie“ hätten „zumindest kurzfristig die Herausforderungen des Klimawandels zurückgedrängt“. Das sei „verständlich, aber nachhaltig auf die Zukunft gesehen, sowohl ökonomisch als auch ökologisch gefährlich“.

Gleichzeitig machen die Gartenmarktexperten deutlich, dass es nicht nur um Klimaschutz geht: Während Corona gerade auch junge Kunden gebracht und den Trend zu selbst angebautem Obst und Gemüse gefestigt habe, gehe es auch um „soziale Nachhaltigkeit“ etwa bei den Arbeitsbedingungen.

„In diesem Umfeld hat der grüne Handel eine besondere Verantwortung. Er ist Teil der Lösung, muss aber umso mehr seiner Vorbildfunktion gerecht werden“, fährt das Papier fort. Politik werde „noch grüner“, neue Anforderungen und neue Kennzeichnungen kämen auf den Handel zu. Das bedeute aber auch: „Fortschritt und damit Chancen!“

Das ist die Handelssicht. Aber was ist mit den Kunden? Kaufen sie auch „bio“, und vor allem: zahlen sie mehr dafür? In der Denkfabrik denken durchweg Praktiker, und sie sagen: „Auch hier ist eine Veränderung festzustellen. Gut präsentiert und professionell aufgemacht, werden immer mehr zum Teil deutlich höherpreisige Bio- oder als ‚nachhaltig‘ gekennzeichnete Produkte auch im Gartencenter gekauft.“

Interessant an diesem Positionspapier ist nicht nur, was drinsteht, sondern vor allem auch, was nicht drinsteht: keine Anschuldigung an die bösen anderen und keine Forderungen an die faulen anderen zum Beispiel in der Politik, die erst einmal die…

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