Was das Quick-Click-System nachhaltig macht: Hat das Produkt sein Lebensende erreicht, wird nur der Gleiter ausgetauscht, der Rest verbleibt im Möbelstück. So wird deutlich weniger Material verbraucht. 
Was das Quick-Click-System nachhaltig macht: Hat das Produkt sein Lebensende erreicht, wird nur der Gleiter ausgetauscht, der Rest verbleibt im Möbelstück. So wird deutlich weniger Material verbraucht. 

Wagner System | Langfassung

Das nachhaltigste Produkt ever

… ist für Geschäftsführer Ulrich Wagner der Quick-Click-Möbelgleiter. In Lahr setzt man nicht nur auf ressourcenschonende Fertigung, auch das seit Jahren dort gelebte Lean-Management-Prinzip zahlt aufs Thema Nachhaltigkeit ein.

Die Wagner System GmbH kann sich über eine ganz besondere Auszeichnung freuen: Der Lahrer Konsumgüterhersteller hat den Kaizen Award Deutschland verliehen bekommen. Diese Würdigung erhalten Vorreiter in Sachen Lean Management. Das Unternehmen hat in den vergangenen drei Jahren mehr als 100 Verbesserungsprojekte umgesetzt. Was mit dem Award gleichzeitig gewürdigt wurde, sind Wagners Maßnahmen in Sachen Nachhaltigkeit, denn: „Lean Management ist nachhaltiges Denken“, ist Geschäftsführerin Ellen Wagner überzeugt. Es geht darum, effiziente Prozesse zu schaffen und jede Art von Verschwendung zu vermeiden. Und es gehe darum, Arbeitsweisen immer wieder zu hinterfragen, um sich stetig zu verbessern. Anders ausgedrückt: Um nachhaltig wirtschaften zu können.

Für die Geschwister steht fest: Nachhaltigkeit beginnt im Kopf. Wer seine Gewohnheiten überdenkt und stetig verbessert, ist auf einem guten Weg. 
Für die Geschwister steht fest: Nachhaltigkeit beginnt im Kopf. Wer seine Gewohnheiten überdenkt und stetig verbessert, ist auf einem guten Weg.  (Quelle: Dähne Verlag, Strnad)

„Man ändert nicht alles an einem Tag“, unterstreicht ihr Bruder Ulrich Wagner. Er ist sich sicher: „Ein ständiger Veränderungsprozess ist gut in der heutigen Zeit, in der sich die Welt selbst so schnell ändert.“ 

Das Überdenken von Gewohnheiten ist einer von fünf Grundsätzen der Nachhaltigkeit, nach denen in Lahr gearbeitet wird, die sogenannten 5-R: Rethink (Überdenken), Reduce (Reduzieren), Reuse (Wiederverwenden), Recycle (Wiederverwerten) und Respect (Respektieren).

Ein Beispiel für die Minimierung des Ressourcenverbrauchs ist der Verzicht auf oder die Reduktion von Verpackungsmaterial. Da, wo es sinnvoll ist – etwa bei den Wandhaken Hooks4Home –, werden die Produkte ohne weitere Umverpackung lediglich an einer Karte aus Graspapier befestigt. Das bietet zusätzlich den Vorteil, dass der Endkunde die Ware besser sehen und anfassen kann. „Wir verwenden kaum noch Kunststoff“, fügt Ellen Wagner hinzu. Während Rollen, Möbelgleiter, Türstopper und ähnliches früher noch von einer Blisterkarte umhüllt verkauft wurde, setzt das Unternehmen heute auf Monomaterialien, die sich besser recyceln lassen, wie etwa Polybeutel.

„Die Vermeidung von Verschwendung hat auch Einfluss auf die Produktentwicklung“, erklärt Geschäftsführer Ulrich Wagner. Beim Quick-Click-System etwa – das dafür sorgt, dass Möbelbeine den Boden nicht beschädigen – werden nur die Filzgleiter ausgetauscht, sobald sie ihr Lebensende erreicht haben, der Rest verbleibt im Stuhl oder im Tischbein. „Das ist das nachhaltigste Produkt ever“, schwärmt der Sohn des Firmengründers. „Es gibt rund 6.000 Möglichkeiten, wie man einen Gleiter an einen Stuhl bekommt“, weiß er – und ist sehr stolz darauf, dass diese umfangreiche Entwicklungsarbeit, ebenso wie die Fertigung, am Unternehmenssitz im Schwarzwald geschieht.

Um diese Produktherkunft zu verdeutlichen, waren auch die Pflanzenroller aus Lahr eine Weile lang mit Schwarzwald-Stickern versehen. Das sei eine sehr aufwendige Verpackung gewesen, um dem Kunden zu erklären, dass er etwas Besonderes kauft, erklärt Ulrich Wagner, warum diese Idee wieder verworfen wurde. „Es ist immer ein Spagat“, berichtet er.

Damit Kundinnen und Kunden auch wirklich den für sie passenden Möbelgleiter finden und er nicht ungenutzt im Müll landet – Stichwort Verschwendung – ist online im Markenshop ein Konfigurator integriert, der Schritt für Schritt die Anforderungen sowie örtlichen Gegebenheiten abfragt und darauf basierend Vorschläge macht. Künftig soll es eine KI-geschulte Verkaufshilfe geben, also einen optimierten Konfigurator.

Auch intern setzt das Unternehmen auf digitale Helfer, um Prozesse zu optimieren. Im Zuge der Neuorganisation des Lagers wurden Lagerlifte angeschafft, die sich über MDE-Geräte steuern lassen. „Heute geschieht keine Lagerbewegung ohne Buchung“, erläutert Ellen Wagner und ergänzt: „Das bedeutet zwar einen höheren Aufwand, aber dafür findet man die Teile später besser wieder.“ Es spart also langfristig Zeit. Das Ziel dieser Maßnahme war es, Papier abzuschaffen, also auch hier wieder: Materialreduktion.

Genauso verhält es sich mit dem Ideenterminal, das seit dem vergangenen Jahr im Einsatz ist und sehr gut angenommen wird. Es dient der Erweiterung des Lean Management-Prozesses im Unternehmen. Das digitale System ermöglicht es den Mitarbeitenden, ihre Ideen zur Verbesserung der internen Strukturen und Abläufe direkt vor Ort einzureichen, ohne ein eigenes Endgerät nutzen zu müssen. Infolge einer solchen Idee wurde beispielsweise ein ausgedientes Putzschild zur Kennzeichnung der Ware für Versandinfos umfunktioniert – eine einfache Lösung mit geringen Kosten, merkt Ellen Wagner an. Zudem entspricht es einem der fünf R: wiederverwenden. „Die Kollegen befassen sich auch stark mit der Automatisierung von Prozessen“, verrät die Geschäftsführerin. 

Über ein neues Ideenterminal können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – papierlos – Verbesserungsvorschläge einreichen. 
Über ein neues Ideenterminal können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – papierlos – Verbesserungsvorschläge einreichen.  (Quelle: Dähne Verlag, Strnad)

Wiederverwendet werden auch Anguss-Überreste aus der Spritzguss-Maschine. Sie werden gesammelt und fließen wieder in den Produktionskreislauf ein, beispielweise bei den Hooks4Home, die aus recyceltem und Bio-basierten Kunststoff bestehen. „Wir würden gern noch mehr Recyclingmaterial einsetzen, aber die Qualität reicht nicht bei allen Produkten aus, um der teils hohen Belastung standzuhalten“, merkt Ulrich Wagner an. Das trifft etwa bei den Möbelgleitern zu. Auch bei Pflanzenrollern lässt sich die benötigte hohe Traglast mit Recyclingmaterialien nicht immer zuverlässig erreichen, daher setzt Wagner hier auf Primärkunststoffe. „Und was oft vergessen wird“, hebt er hervor: „Kunststoffprodukte sind auch keine Wegwerfartikel.“ Man arbeite in der Entwicklungsarbeit bewusst daran, Lösungen mit einem zeitlosen Design und einer besonders hohen Lebensdauer zu entwerfen.

„Wir haben heute schon nachhaltige Produkte“, unterstreicht der Geschäftsführer. „Wir überlegen uns: Welchen Rohstoff setzen wir ein? Wie können wir eine Geschichte erzählen? Kunden kommen nicht nur wegen des günstigsten Preises, wir müssen ein Erlebnis bieten.“ Mit Testimonials wie Woody sowie durch die Gestaltung von Verpackung, Aufstellern und Regalpräsentation versucht Wagner, am POS den Qualitätsunterschied und die Langlebigkeit seines Sortiments zu kommunizieren – mit dem Ziel, dass die Produkte von den Endkundinnen und Endkunden möglichst lange genutzt werden.

Testimonial Woody macht Kundinnen und Kunden auf Wagners Nachhaltigkeitsambitionen aufmerksam. 
Testimonial Woody macht Kundinnen und Kunden auf Wagners Nachhaltigkeitsambitionen aufmerksam.  (Quelle: Wagner System GmbH)

Für den Handel wiederum sei aktuell vor allem der Umgang mit der EU-Entwaldungsfrei-Verordnung EUDR ein Thema, sagt Ulrich Wagner. Sie soll sicherstellen, dass Rohstoffe wie Holz und daraus hergestellte Produkte nicht aus abgeholzten oder geschädigten Wäldern stammen. Zahlreiche Wagner-Produkte werden aus FSC-zertifiziertem Holz gefertigt. Die Rohstoffe dafür bezieht der Konsumgüterspezialist aus China und Osteuropa.

Ulrich Wagner nennt die EUDR ironisch sein „Lieblingsthema“ und begründet das in einem hohen Arbeitsaufwand: Allein dafür habe er 1,5 Stellen besetzen müssen. „Wir müssen unsere Lieferanten, etwa aus China, mit einbinden, müssen Strukturen anpassen und eine neue Software einführen, für die es aktuell noch nicht einmal passende Angebote gibt“, kritisiert er. „Das führt zu einer brutalen Datenflut und kostet uns viel Geld.“ Dass Kundinnen und Kunden dafür mehr bezahlen, bezweifelt er. „Es muss unser eigener Anspruch sein, nachhaltig zu sein“, betont der Geschäftsführer.

Daher erstellt Wagner auch schon seit Jahren einen internen Nachhaltigkeitsbericht, der Scope 1 und 2 umfasst, sich also mit den direkten und indirekten Treibhausgasemissionen befasst. So wurde beispielsweise das Wagner-Werk 3 nach dem „Energiestandard KfW 55 EE“ gebaut. Eine Wärmepumpe, Betonkernaktivierung und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung senken den Energieverbrauch. Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Werks deckt einen großen Teil des Energiebedarfs.

Nebenan befindet sich auf einer Fläche von rund 10.000 m² eine Bienenweide mit Streuobstwiese, Insektenhotel sowie einem Unterschlupf für Fledermäuse und Igel, die heimischen Tieren Nahrung und Unterschlupf bieten soll. Das Werk 3 soll nun gespiegelt werden – mit gleichen Energiestandards –, um aus dem alten Standort ausziehen zu können.

Neben Werk 3 befindet sich eine Bienenweide mit Streuobstwiese, Insektenhotel sowie einem Unterschlupf für Fledermäuse und Igel. 
Neben Werk 3 befindet sich eine Bienenweide mit Streuobstwiese, Insektenhotel sowie einem Unterschlupf für Fledermäuse und Igel.  (Quelle: Wagner System GmbH)

Auch ein externer Nachhaltigkeitsbericht sei in Planung, kündigt Ellen Wagner an. Scope 3 sei aktuell noch schwierig, sagt sie, aber „wir sind dran. Wir haben unsere Mitarbeiter entsprechend weiterqualifiziert.“

Dies ist die Langversion des Beitrags aus der Printausgabe diy 7/2026.

Zur Startseite
Mehr zum Thema
Lesen Sie auch