In einer Podiumsdiskussion sprachen (v.l.) Ingo Leiner, Bernd Focke, Patrick Schwab, Stephan Schatz (REV Ritter) und Thorsten Hölscher (Oase) über Chancen und Herausforderungen bei der Nutzung von KI. 
In einer Podiumsdiskussion sprachen (v.l.) Ingo Leiner, Bernd Focke, Patrick Schwab, Stephan Schatz (REV Ritter) und Thorsten Hölscher (Oase) über Chancen und Herausforderungen bei der Nutzung von KI. 

Synlog-Tag | Langfassung

Keine Angst vor Technik

Die DIY-Logistik braucht KI-Technologie, darin ist man sich in der Branche einig. Gleichzeitig aber auch darin, dass sie mit Bedacht eingesetzt werden sollte. Und dass zuvor die eigenen Strukturen stimmen müssen. 

„Wir müssen etwas tun“, findet Synlog-Leiter Markus Schering. „Die Umwelt fordert uns. Wir spüren klimatische Veränderungen, inzwischen schmelzen sogar die Straßen. Das merken auch die Transportunternehmen.“ Was man konkret tun kann, um auf Umweltauswirkungen zu reagieren, präsentierte der Synlog-Tag, der auch in diesem Jahr wieder in der Rohrmeisterei in Schwerte stattfand. Mit einem starken Fokus auf Praxis-Bezug und Know-how-Transfer widmete sich die Logistikveranstaltung der DIY-Branche Lösungsansätzen, insbesondere durch Technik: Sie kann Arbeit effizienter sowie leichter machen, etwa indem man Daten digital nutzbar macht. „Es geht in Richtung Robotic, Machine Learning, künstliche Intelligenz“, erklärte Schering.

Markus Schering moderierte die Veranstaltung. 
Markus Schering moderierte die Veranstaltung.  (Quelle: Dähne Verlag, Rinn)

Zusammenarbeit sei dabei elementar, ist er überzeugt. Daher präsentierten drei Tech-Unternehmen Projekte, die in Kooperation mit Händlern und Herstellern entstanden sind. Baitech Data hat Globus Baumarkt dabei unterstützt, „vom Reagieren zum Agieren“ zu kommen. Durch verschiedene Systeme, fehlende Echtzeittransparenz und manuelle Erstellung von Berichten war bisher nur eine reaktive Steuerung der Logistikprozesse möglich. Indem Baitech alle Daten an einem Ort bündelt, wird es künftig möglich sein, aktiv Informationen zu erhalten, das System zu fragen „Was wäre wenn?“ und zu automatisieren.

Auch der Eisenwaren-Anbieter August Vormann wollte „weg vom Bauchgefühl, hin zu Zahlen, Daten und Fakten“. Motion Miners half dem Unternehmen dabei, Transparenz in seine manuellen Prozesse zu bringen, und analysierte sie, um die Basis für effizientere Abläufe zu legen. So wurden in der Kommissionierung lange Wartezeiten durch die Vermeidung von Sortieraufwänden und die Digitalisierung der Picklisten verringert. In der Logistik wurden Wickelprozesse optimiert. Darüber hinaus kann mit technischen und organisatorischen Mitteln die Ergonomie der Mitarbeitenden verbessert werden.

Mit einem ähnlichen Anspruch – weniger Bauchgefühl, mehr Fakten – unterstützt auch Jokati seine Kundinnen und Kunden aus der DIY-Branche wie etwa GAH Alberts. Die Lösung hat sich im Laufe der Zeit von der manuellen und damit zwar detaillierten, aber langsamen Rechnungsprüfung zu von einem Benchmark-Hub entwickelt, der dabei hilft, die eigenen Frachtkosten im Vergleich zum Marktumfeld zu bewerten. Inzwischen bietet Jokati eine Plattform, die auch die jeweiligen Rahmenbedingungen des Kunden berücksichtigt und darauf basierend individuelle Angebote erstellt.

Passende Lösungen sind nicht nur in der Angebots- und Rechnungserstellung ein Thema, beim Transport spielen sie ebenfalls eine Rolle: „Die Palette muss zum Produkt passen“, unterstreicht Marie Linger von Boomerang. Wer sich für ein Paletten-Mehrwegsystem entscheide – wozu sie nicht nur aus Nachhaltigkeits- und Effizienz-, sondern auch aus Kostengründen dringend rät –, stehe dann aber vor einer Vielzahl unterschiedlicher Formate, die gemanagt werden müssen. Das sei etwa bei Baustofflieferanten wie James Hardie oder Saint Gobain ein Thema, mit denen die Paletten-Spezialisten zusammenarbeiten. Sie übernehmen proaktiv den Retourprozess – teilweise samt der Rücknahme von Verschnittresten und Verpackungen –, überprüfen den Zustand der Paletten, berechnen gemeinsam mit dem Kunden passende Pfandbeträge und machen die Prozessdaten für alle Beteiligten transparent. 

Wie man mithilfe von künstlicher Intelligenz Daten am besten nutzen kann, um seine Arbeit effizienter zu gestalten, und worauf man dabei achten sollte, erörterten Branchenexperten in einer Diskussionsrunde. Nutzen lässt sich die Technologie etwa in der Produktentwicklung, in der Texterstellung für Verpackungen oder Produktbeschreibungen, bei Übersetzungen, fürs Forecasting oder in Form eines Chatbots, der Endkunden bei der Projektplanung unterstützt, Vorschläge macht und Hilfestellungen gibt.

Bernd Focke von Logcoop wünscht sich dafür belastbare Daten, etwa um Informationen über das Verkehrsaufkommen oder das Wetter in die Planung einfließen zu lassen. Das Problem dabei: „Daten sind sensibel, keiner möchte sie herausgeben.“ Dennoch sei es wichtig, stimmte Patrick Schwab von Dachser zu, dass alle Beteiligten Daten teilten, damit der Forecast die besten Treffer erziele.

Das ehemalige Hornbach-Vorstandsmitglied Ingo Leiner rät dazu, erst einmal zu ermitteln was das Problem ist, und sich dann zu fragen, welche Technik dabei helfen kann, anstelle blind auf KI zu setzen. Schwab plädiert dafür sich klarzumachen: Hilft die Lösung dem Kunden? Tue sie das nicht, sei es auch nicht sinnvoll, dort zu investieren.

Wer ohnehin schon ein Problem in seinen Strukturen habe, hielt Schering fest, werde mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz nicht erfolgreich sein. So sieht es auch Leiner. „Grundlagenarbeit ist wichtig.“ Und: „Unternehmerische Verantwortung wird hier das Zünglein an der Waage sein.“

Er stellte die provokante Frage in den Raum: „Sind Sie bereit, die unternehmerische Verantwortung an die KI zu delegieren?“ Die Technologie könne zwar unterstützen in den Bereichen, wo Arbeitskräftemangel herrscht, ist Schwab überzeugt, aber „bei aller KI-Euphorie darf man die menschliche Interaktion nicht vergessen“. Focke pflichtet ihm bei: „Logistik ist ein People Business.“ Wichtig sei, die Mitarbeitenden dazu zu befähigen, Prozesse zu verstehen und saubere Daten herauszufiltern. Gleichzeitig sei die menschliche Kommunikation untereinander unabdingbar. 

Der Synlog-Tag legte bewusst einen Fokus auf den Austausch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer untereinander. Dafür boten die Pausen sowie eine Session mit den Ausstellern ausreichend Gelegenheit. 
Der Synlog-Tag legte bewusst einen Fokus auf den Austausch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer untereinander. Dafür boten die Pausen sowie eine Session mit den Ausstellern ausreichend Gelegenheit.  (Quelle: Dähne Verlag, Rinn)

Trotz alledem waren sich die Experten einig, dass es in Zukunft keine Transportdienstleistungen ohne KI-Unterstützung geben werde. Man könne nicht davon ausgehen, unterstrich Focke auch mit Blick auf die aktuelle Meerenge-Problematik, dass man immer das gleiche Transportmittel wählen könne. „Da braucht man künstliche Intelligenz, um herauszufinden, wie man die Ware am schnellsten an den Kunden bringt.“ Schering unterstrich in Anlehnung an ein Loriot-Zitat: „Ein Leben ohne KI ist möglich, aber sinnlos.“

Was also zieht man aus all diesen Erkenntnissen? Zunächst müsse man herausfinden: „Wo tut‘s weh?“, hielt Schering fest. Im nächsten Schritt Transparenz schaffen – im eigenen System aufräumen, Daten sammeln, säubern und auswerten. „Und dann einfach mal machen, Erfahrungen sammeln, sich kontinuierlich verbessern“, fasste der Synlog-Geschäftsführer zusammen. Und bei alldem: „Keine Angst vor Technik“, gab er den Besucherinnen und Besuchern mit auf den Weg.

Der nächste Synlog-Tag findet am 29. Juni 2027 in der Rohrmeisterei in Schwerte statt – mit einem runden Jubiläum: Das Logistiknetzwerk der DIY- und Gartenbranche feiert sein 30-jähriges Bestehen.  

Ganzheitliche Betrachtung

Auch Dachser spürt die Auswirkungen des Klimawandels: vereiste Straßen, marode Brücken, aufgebrochene Teerdecken. „Da müssen auch wir uns fragen: Fährt da ganz viel ungenutzt herum und belastet die Umwelt?“, findet Fleet Manager Jonas Filgers. Gleichzeitig werde die Inanspruchnahme von Transportdienstleistungen immer teurer. Dachser setzt auf eine ganzheitliche Betrachtung des Nachhaltigkeitsthemas, das Prozess- sowie Energieeffizienz, Forschung und Innovation ebenso wie Corporate Citizenship beinhaltet. Beispiele sind die Ausweitung der E-Fahrzeugflotte, die Erprobung von Wasserstoff-Lkw oder die Schaffung von Pilotstandorten wie der in Unna, der nach neuesten Umweltstandards gebaut worden ist.

Dies ist die Langversion des Beitrags aus der Printausgabe diy 8/2026.

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