Bis 2033 will Wenko nach eigenen Angaben sein gesamtes Sortiment an den Nachhaltigkeitskriterien ausrichten. Gemeint ist: Bis dahin soll das Sortiment Artikel umfassen, die Nachhaltigkeitskriterien wie beispielsweise den Einsatz nachwachsender oder recycelter Materialien berücksichtigen, recyclingfähig sind oder eine FSC-Zertifizierung haben. 42 Prozent der Produkte im Sortiment erfüllen bislang diese Kriterien.
Auch darüber hinaus hat der Hersteller bisher schon viel getan. Ein paar Beispiele: Wenko hat vor zwölf Jahren angefangen, seine Verpackungen umzustellen. Bis 2028 sollen die Verpackungen nach Angaben von Wenko so weit wie möglich reduziert oder auf recycelte Kartonage umgestellt werden. Die Stromversorgung für die Zentrale in Hilden sowie die Logistik in Hückelhoven erfolgen heute größtenteils über erneuerbare Energiequellen. Retouren, ausgepackte Fotomuster und Produktmuster werden, wenn möglich, dem Warenkreislauf wieder zugeführt.
Die neueste Idee hinsichtlich Innovation und Nachhaltigkeit: Der WC-Sitz Crevada, der mit dem Preis zum diy Produkt des Jahres 2025/2026 belohnt worden ist. Nach Angaben von Wenko zeichnet sich der WC-Sitz durch eine hohe Belastbarkeit aus. In den vom Unternehmen genannten Prüfungen hielt er Belastungen von bis zu 1.500 Kilogramm stand. Um das zu verdeutlichen, bietet Wenko für das Produkt eine Herstellergarantie von 15 Jahren und wirbt außerdem mit einem Elefanten.
Die hohe Belastbarkeit entsteht durch einen besonderen Materialmix, den Wenko Duro Unbreakable nennt. Er vereint das Beste aus zwei Materialien – Duroplast und Thermoplast. Während Duroplast eine besondere Haptik und Formstabilität aufweist, ist Thermoplast wärmer, weicher und reißfester. Nach Angaben von Wenko kann das Material des WC-Sitzes am Ende der Nutzungsdauer einem Recyclingprozess zugeführt werden.
Der Toilettensitz bedient noch eine weitere Anforderung der Endkunden: hygienisches Material und einfache Reinigung. Die Ränder sind so konzipiert, dass sich keine gelben Ränder absetzen. Auf die vielen positiven Rückmeldungen, die Wenko dafür erhalten hat, reagiert der Hersteller mit einer Erweiterung des Sortiments: Nun sind auch ein Modell in D-Form sowie eines im Universal-Shape-Design erhältlich, dessen Deckel den Sitz nicht überlappt.

Ein Leidensthema für Geschäftsführer Köllner sind die Regularien aus Brüssel: „Jeder spricht von weniger Bürokratie, doch stattdessen wird es nur mehr.“ Erschwerend hinzu kommt die Konsumzurückhaltung, die inzwischen in fast allen Bereichen der DIY-Branche spürbar ist. Man erlebe einen Shift in Richtung Preiseinstieg. Wenko reagiert darauf mit seiner Marke Allstar. „Viele Haushalte mit geringerem Einkommen kaufen weniger im Baumarkt ein“, beobachtet Köllner. Stattdessen erzielten Discounter großen Zulauf und auch die Online-Marktplätze boomten.
Diese sind ihm – zumindest in manchen Aspekten – ein Dorn im Auge. „Artikel werden dort teils deutlich günstiger verkauft, entsprechen aber nicht unseren hohen Qualitäts- und Gesundheitsanforderungen“, beklagt er. „Kunden können oft nicht erkennen, ob die von ihnen gekauften Produkte vielleicht sogar bösartige Chemikalien enthalten.“ Um den Nachweis zu führen, dass solche Ware nicht den europäischen Gesetzen entspricht, sind offizielle Prüflabore gefragt. Das kostet jedoch Zeit und Geld. Aus Köllners Sicht ist das ein unfairer Wettbewerb, der die hiesige Wirtschaft mit ihren hohen Anforderungen klar benachteiligt. „Das größte Problem: Wie kontrolliert man, dass die Ware unseren Gesetzen und Normen entspricht?“ Er spricht sich für eine Marktplatzhaftung aus. „Der Marktplatzbetreiber muss dafür haften, wenn die Ware nicht den Gesetzen entspricht.“
Köllner ist überzeugt: „Wir müssen den europäischen Markt schützen und faire Wettbewerbsbedingungen schaffen.“ Es müsse darauf gedrungen werden, dass außereuropäische Marktteilnehmer die Gesetze ebenso einhalten müssen wie europäische. Zur Unterstützung der deutschen und europäischen Wirtschaft brauche es darum nach Ansicht von Köllner Subventionen, damit Unternehmen hierzulande stärker in Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen ihrer Produktion investieren könnten.
Kritisch sieht Köllner auch die Umsetzung der sogenannten Empco-Richtlinie. Die neuen Regelungen gelten ab dem 27. September 2026 und verschärfen unter anderem die Anforderungen an allgemeine Umweltaussagen und an Aussagen über künftige Umweltleistungen. „Problem sind an dieser Stelle ausufernde Prüfanforderungen, die sehr kostspielig sind“, ärgert er sich. „Wir brauchen nicht noch mehr Gesetze, wir brauchen weniger.“
Köllner kritisiert die Vielzahl neuer Gesetze, Richtlinien und Vorgaben, die zeitgleich umzusetzen und schlecht koordiniert seien. „Ständig müssen wir von Neuem anfangen, alle Verpackungen zu überarbeiten“, sagt er – ein Grund, warum er sich inzwischen auch beim Herstellerverband Haus und Garten einbringt.
„Es fehlt der Masterplan, wie wir Europa nach vorne bringen“, fasst er zusammen. Enttäuscht ist er von den Politikern, die keine Hoffnung auf positive Veränderungen machen. „Wir werden nicht müde, für einen fairen Wettbewerb und vernünftige Regularien zu kämpfen“, so Köllner. „Wir warten nicht auf die Politik, wir suchen uns neue Felder.“ Dafür steht auch die Vertriebskooperation mit der Marke J-B Weld, mit der sich Wenko im Vertrieb der Klebelösungen stärker in Richtung Profi ausrichtet. Ebenso sieht er für das neue diy Produkt des Jahres, den WC-Sitz Crevada, Wachstumspotenzial im gewerblichen Bereich. Und auch bei Lizenzprodukten wie den neuen Raumdüften, die in Kooperation mit der Schöner Wohnen-Kollektion entstanden sind, erkennt Köllner Chancen. „Man muss schauen, wie man sich aufstellt“, hält er fest. „Und dann muss man schnell sein.“













