Kurzbericht DIW

Mieten und Einkommen geht meist Hand in Hand

15.08.2016

Bei bundesweiter Betrachtung sind die Mieten im Geschosswohnungsbau seit dem Jahr 2010 mit 10,2 Prozent weniger stark gestiegen als das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte mit 11,5 Prozent. Da die Entwicklung jedoch regional sehr unterschiedlich verläuft, führt dies zu unterschiedlichen Veränderungen bei den Mietbelastungen der privaten Haushalte. Aber auch hier zeigt sich: Die Wohnungsmärkte wandeln sich gerade dort wo auch die Einkommen stark zulegen. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Kurzstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (DIW).
Teils rasante Mietsteigerungen in den Metropolen - aber nicht überall in Deutschland
Die Entwicklung der Mieten steht seit ungefähr sechs Jahren im Fokus der öffentlichen Debatte. Ähnlich wie bei den noch stärker anziehenden Immobilienpreisen wird dabei auf die hohe Dynamik und die daraus resultierenden Probleme für die wohnungssuchende Bevölkerung hingewiesen. Und in der Tat sind die Entwicklungen in einigen Großstädten rasant. Die Marktmieten im Geschosswohnungsbau sind zwischen 2010 und 2016 in einigen Metropolen sehr stark gestiegen. Angeführt wird die Liste von Berlin mit 26 Prozent (3,9 Prozent p.a.), gefolgt von Würzburg und Offenbach mit jeweils 22 Prozent (3,4 Prozent p.a.) (F+B, 2016). Auch in den Metropolen wie Hamburg, München und Köln lagen die Steigerungen in den zentrumsnahen Lagen und attraktiven Stadtteilen auf diesem Niveau und teilweise deutlich darüber. Veränderungen in dieser Geschwindigkeit gab es in Deutschland selten. Gerade auch deshalb ist die Verunsicherung von Seiten der Bevölkerung groß. Gleichwohl ist insgesamt betrachtet nur ein Teil der Bevölkerung betroffen, da sich die enormen Mietsteigerungen auf wenige Standorte konzentrieren, während in weiten Teilen der Republik die Mieten real kaum zulegen und teilweise auch zurückgehen. In nur 20 von 402 Kreisen mit einer Bevölkerung von 8,6 Mio. Einwohnern liegt das Mietenniveau über 9 Euro pro Quadratmeter. Überdurchschnittliche Mietsteigerungen von jährlich über 2,5 Prozent seit dem Jahr 2010 erleben 29 Kreise mit 8,4 Mio. Menschen (die Inflationsrate lag im gleichen Zeitraum bei 1,2 Prozent). Eins der beiden Kriterien trifft in 47 Kreisen mit 16,2 Mio. Einwohnern zu. Beide Kriterien nur in Stuttgart und Ingolstadt.
Die Mietwohnungen wurden um zwei Quadratmeter größer
Der Blick auf die Entwicklung der Mieten und Einkommen in den einzelnen Kreisen in Deutschland zeigt, dass sich ein Durchschnittshaushalt nicht weniger, sondern mehr Fläche leisten kann. Im Mittel kann sich ein privater Haushalt heute 94 Quadratmeter an Wohnfläche leisten, wenn er 25 Prozent seines Nettoeinkommens hierfür einsetzt. Das sind 2 Quadratmeter mehr als noch vor sechs Jahren. Nur in 24 Prozent der Kreise kann sich ein Durchschnittshaushalt heute weniger leisten. Von den 10 größten Städten sind hiervon Berlin, Stuttgart und Dortmund betroffen. Trotz steigender Mieten besteht damit keine flächendeckende Knappheit an bezahlbarem Wohnraum. Auch in den Städten mit den größten Mietsteigerungen sind keine erheblichen Verwerfungen in den Wohnkostenrelationen zu erkennen. Die Politik muss daher keine neuen Programme initiieren oder die Wohnungsmärkte stärker regulieren. Die Wohnungsmärkte funktionieren, die Bautätigkeit zieht als Reaktion auf die gestiegenen Mieten spürbar an, wenn auch verzögert. Dies wird mittelfristig dafür sorgen, dass sich auch die heute angespannten Wohnungsmärkte wieder entspannen. Das Wohngeld, welches zum 1.1.2016 deutlich angehoben wurde, sorgt dafür, dass auch Geringverdiener eine angemessene Unterstützung erhalten. Die soziale Wohnungsraumförderung sollte nur gezielt an Standorten eingesetzt werden, wo ein erheblicher Anteil der privaten Haushalte Zugangsschwierigkeiten am allgemeinen Wohnungsmarkt hat. Wichtiger erscheint aufgrund der zunehmenden regionalen Divergenzen, dass die Politik insgesamt dafür sorgt, dass die infrastrukturelle Versorgung ländlicher Räume (Ärzte, Breitband, Verkehr etc.) in Zukunft besser wird.
Den kompletten Kurzbericht sowie weitere Grafiken finden Sie hier:
http://www.iwkoeln.de/studien/iw-kurzberichte/beitrag/ralph-henger-mieten-und-einkommen-gehen-meist-hand-in-hand-296531
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