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Nachhaltigkeit

FSC-Zertifizierung

Wälder: Die Haltung Ihnen gegenüber ist in Europa von Land zu Land verschieden.

FSC-Label, Dr. Uwe Sayer (FSC), Sandra Hieke (Greenpeace), Andreas Back (Hornbach)

Wie geht es weiter mit dem FSC-Label: Dr. Uwe Sayer (FSC), Sandra Hieke (Greenpeace) und Andreas Back (Hornbach) diskutieren (v. l.).

Ökonomie versus Ökologie - Ein ungleicher Kampf?

Hornbach setzt seit 1996 auf das Holzzertifizierungssystem des Forest Stewardship Council (FSC). Greenpeace International und Greenpeace Deutschland kehrten ihm jüngst den Rücken. Auszüge eines Gesprächs zwischen Greenpeace-­Mitarbeiterin Sandra Hieke, dem Geschäftsführer des FSC Deutschland Dr. Uwe Sayer und Andreas Back, der innerhalb der Hornbach Baumarkt AG die Bereiche Qualitätsmanagement, Umwelt und CSR führt.

 

Frau Hieke, Greenpeace ist kürzlich aus dem FSC ausgestiegen. Warum?

Sandra Hieke: Für uns war das keine leichte Entscheidung. Wir haben mit dem FSC seit vielen Jahren über die Probleme beim FSC geredet, die uns sehr am Herzen liegen: Der Schutz von Urwäldern, die sehr unterschiedliche Umsetzung der FSC-­Prinzipien und Standards, vor allem in Hochrisiko­gebieten, Transparenz, außer­dem das Thema Controlled Wood und das FSC-Mix-Label. 

Und wie ist es beim FSC angekommen? Überrascht?

Uwe Sayer: Es ist nicht der richtige Schritt. Ich respektiere, dass es Greenpeace an manchen Stellen nicht schnell genug oder weit genug geht oder dass Greenpeace glaubt, wir verfolgen falsche Ansätze. Ich verstehe insbesondere, wenn Green­peace sagt, dass wir in einer Welt von Überkonsum leben und weniger konsumieren müssen. Der eigentliche Schaden ist, dass jetzt innerhalb unserer Community auf einmal Akteure auftauchen, die sagen "Ach, gut dass die endlich weg sind."

Andreas Back: Für uns, die wir jetzt schon seit knapp 20 Jahren das System FSC unterstützen, war der Ausstieg von Greenpeace ein Schlag. Weil einer der größten Kritiker innerhalb des Systems sich jetzt aus der Diskussion herauszieht. Wir sind Teil des FSC, weil wir die weltweite nachhaltige Forstwirtschaft etablieren und somit auch die Risiken in unserer Bezugskette minimieren wollen. Durch den Austritt von Greenpeace wird das System FSC nun geschwächt.

Hieke: Ich glaube, allen, die sich ernsthaft mit Greenpeace und der Rolle von Greenpeace innerhalb des FSC auseinandergesetzt haben, ist klar, dass die Nichterneuerung der Mitgliedschaft beim FSC International nicht das Ziel hat, den FSC zu schwächen. Im Gegenteil hoffen wir, dass der FSC wieder stärker wird. Denn der FSC ist international nach wie vor das beste Zertifizierungssystem, das es gibt.

Ein Holzlieferant hat sein FSC-Siegel verloren, weil ihm in Rumänien nachgewiesen werden konnte, dass er auch Holz lieferte, das aus illegalen oder zumindest umstrittenen Quellen stammt. Ist Rumänien - was Holz angeht - ein Hochrisiko­land?

Back: Für uns steht fest: Ja, Rumänien ist ein Hochrisikoland, da es dort nachweislich illegalen Einschlag gegeben hat und der auch weiterhin möglich ist. Deshalb haben wir Maßnahmen ergriffen. Etwa die Einführung einer verpflichtenden FSC-Zertifizierung für Hölzer und holzhaltige Produkte mit Wuchsgebiet in Rumänien.

 




 

Gibt es Länder, in denen FSC wichtiger ist als in anderen?

Back: Nehmen wir mal die Schweiz. Da ist FSC gesetzt. Der FSC hat den höchsten Bekanntheitsgrad unter den Siegeln und es ist eher so, wenn das Produkt nicht FSC-zertifiziert ist, wird es als qualitativ minderwertig angesehen. Im Vergleich dazu: In Rumänien oder auch in Österreich hat FSC so gut wie keine Relevanz. Dem niederländischen Kunden ist es eher weniger wichtig, ob das Holz FSC-zertifiziert ist oder nicht. Und wieder anders ist es in Schweden: Die halten alle Holzprodukte, die nicht aus Schweden kommen, erstmal für dubios. Es ist ja genügend Holz vor Ort vorhanden, da muss man nichts importieren - egal ob FSC-zertifiziert oder nicht. Das zeigt doch, dass wir eine länderspezifische Kundenansprache brauchen.

Hieke: Wir gehen häufig davon aus, dass die Verbraucher wissen, welche Probleme rund um Waldzerstörung existieren. Das ist ja längst nicht der Fall. Viele Verbraucher sind nach wie vor uninformiert und orientieren sich aber an Zertifikaten wie dem FSC. Es gibt aber mittlerweile so viele Zertifikate auf dem Markt, dass viele Verbraucher verunsichert sind. Heute ist es aber nicht mehr der Fall, dass, wenn man ein FSC-zertifiziertes Produkt kauft, kein Holz aus Urwaldzerstörung erwirbt. Das ist einer der Gründe dafür, dass wir gesagt haben, wir können das so nicht mehr mittragen.

Ökonomie versus Ökologie? Wir befinden uns in dem Spannungsfeld von Konsumverzicht, notwendiger FSC-Zertifizierung und Umsatzdruck. Was macht der Handel denn jetzt?

Sayer: Für uns als FSC ist das eigentlich kaum auflösbar. Wir selber versuchen, diesen Kompromiss über unsere FSC-Standards und das FSC-Siegel am Produkt herzustellen. Unsere deutsche Rolle im internationalen FSC ist es, stärker für Verbraucherinteressen einzutreten, weil in Deutschland eben ein höherer Konsum stattfindet als an vielen Orten der Welt.


Hieke: Greenpeace sagt den Menschen auch nicht, dass sie per se kein Holz kaufen sollen. Was wir sagen, ist, wenn man Holzprodukte kauft, dann sollten es Produkte sein, die auch möglichst lange nutzbar sind. "Reduce, re-use, recycle" ist hier das Motto.

Back: Als Handelsunternehmen müssen wir künftig noch genauer prüfen, wie unsere Produkte zusammengesetzt sind und welche sinnvollen Alternativen es geben könnte. Mehr das Thema Cradle-to-Cradle angehen und fragen: Welche Sekundärrohstoffe kann ich aus dem Produkt am Ende des Lebenszyklus wiederherstellen? Ziel muss es sein, dass Produkte länger halten. So werden insgesamt weniger Ressourcen verbraucht.

 

 

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