diy plus

Warum die grüne Branche Zukunft hat

Der Zukunftsforscher Matthias Horx sprach auf dem IVG-Medientag über den Megatrend Gärtnern – denn genau den sieht er auf uns zukommen
diy immer dabei – Lesen Sie, wo, wann und wie Sie wollen.
  • Print-Ausgabe direkt per Post
  • Ausgaben auch als E-Magazin
  • Immer verfügbar – auf PC und Mobil
  • Online-Archiv seit 1990
Test-Abo Print & Online
Direkt weiterlesen
Individualisierung, Feminisierung, Alterung – diese drei soziographischen Megatrends verstärken einen „Hang zum Grünen“, der auch durch die weiter erstarkende Bio- und Ökologiewelle angefeuert wird. In den nächsten Jahren kann die Gartenbranche deshalb weitere Zuwächse erzielen – wenn sie sich mit den Trends auseinandersetzt, die sie „organisch umgeben“.
Jede Zeit hat ihre spezifische kultische Freizeitbeschäftigung. Was in den Frühzeiten des Wirtschaftswunders das Basteln war, wurde in den 80ern das Kochen. Die 90er waren vom Aufstieg des Sports als zentrale Lebensgestaltung geprägt. Jetzt, in einer Zeit der Verunsicherung, gerät das Gärtnern in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Im "Grünen Sektor" erleben wir nun alle Entwicklungen der Veredelung, Luxurisierung und "Verkultung", die wir auch aus anderen Freizeitsektoren kennen.
Was macht den Garten zu einem Sehnsuchtsort? Der Gartentrend basiert auf mehreren unterliegenden Trendströmungen. Einerseits setzt er an der Entwicklung des ökologischen Bewusstseins an, die seit den 70er Jahren ihren Weg bis ins Massenbewusstsein genommen hat. Die "Liebe zur Natur" hat breite Teile der Mittelschichten, vor allem aber die Meinungsführer und Gebildeten erfasst. Ökologisches Bewusstsein ist heute Konsens und erreicht weitaus größere Schichten als früher.
Der andere Strang des neuen grünen Kultes stammt aus der gewaltigen Welle der Retro-Trends. Gärtnern und Garten, Naturliebhaberei und Naturpflege sind Rückkopplungen, in denen der Einzelne sich wieder seiner natürlichen Wurzeln versichert. "Etwas wachsen lassen" ist vegetative Wellness für Leib und Seele. Begriffe, die im Kontext postmoderner Werte einen großen Stellenwert haben, spielen auch beim Gärtnern eine große Rolle. Zum Beispiel "Wurzeln" und "Verwurzelung", Erde, Erdigkeit, Heimat. Aber auch die ästhetischen Bedürfnisse finden im Gärtnern ein Zuhause: Romantik und Ornament blühen am Besten im Pflanzlichen. Im Gartenkult vereinen sich romantische Sehnsüchte mit den Selbstverwirklichungsbestrebungen moderner Individualität. Der Garten symbolisiert den verwunschenen Ort, in dem ich einerseits Kontrolle ausüben, andererseits aber auch Dinge vital verändern kann. Der Garten hilft Menschen bei der Entspannung, Verlangsamung und „Selfness“, der individuellen Selbstfindung. Er ist „Wellness Plus“, Slowness, „Simplify your Life“.
Montydon, ein prominenter Gartenkolumnist aus der englischen Zeitung Observer schreibt: "Ich denke, dass der Garten der neue Ort der…
Zur Startseite
Mehr zum Thema
Lesen Sie auch