Rainer Strnad
diy plus

Editorial

Es wird ernst

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„Partnerschaft von Handel und Industrie“ – seit ich in der Branche bin, begleitet mich dieses… ja was ist es denn nun? Schlagwort? Wunschvorstellung? Vision? Gelebte Wirklichkeit? Oder reine Ironie? Jedenfalls wurde ich früh hellhörig, wenn von dieser Partnerschaft die Rede war, und zwar deshalb, weil so viel von ihr die Rede war. Über Selbstverständlichkeiten muss man eigent­lich nicht viel reden.

Seit uns die „multiplen Krisen“, wie der Hima-Vorsitzende Reinhard Wolff es in seinem Vortrag auf dem Virtual DIY-Summit genannt hat, in der Branche mit Wucht erreicht haben, ist wieder vermehrt von dem… nennen wir es: Konzept des partnerschaftlichen Handelns zu hören. Sein Kollege auf Handelsseite, Sergio Giroldi (der ja als Obi-Chef inzwischen in den Ruhestand gegangen ist), hatte das Thema immer wieder aufgegriffen und unter anderem angesichts der als Bedrohung empfundenen Konkurrenz aus dem Netz den Geist des Kooperierens angemahnt.

Inzwischen sind mit der Pandemie und dem Krieg samt den Folgeerscheinungen substanziellere Bedrohungen hinzugekommen. Auf die Pandemie hat die Branche durchaus partnerschaftlich reagiert. In einer konzertierten Aktion hat sie im Frühjahr 2020 erreicht, dass die Baumärkte und Gartencenter offenbleiben konnten. Und Handelsunternehmen (wenn auch nicht alle) nahmen beispielsweise in Sachen Lieferquoten Rücksicht auf die Situation der Hersteller.

Doch inzwischen ist der Ton zwischen den Partnern wieder rauer geworden. Die Industrie besteht auf der Feststellung, dass sie einen großen Teil der enormen Kostensteigerungen trägt, statt sie weiterzugeben; im Handel wiederum spricht man von unverschämten Forderungen.

Mehrfach haben sich der Herstellerverband Haus und Garten (HHG) und der Industrie­verband Garten (IVG) deshalb an die Branche gewandt. In ihrem jüngsten Statement haben sie die Solidarität aller Marktbeteiligten angemahnt – ein Begriff, der bei Preisverhandlungen und Listungsgesprächen eher nicht zum aktiven Wortschatz der Beteiligten gehören dürfte. Eine in diesem Zusammenhang ähnlich ungewohnte Formu­lierung hat Globus-Geschäftsführer Timo Huwer auf der 40-Jahr-Feier der Baumarktkette gebraucht: „Wir müssen uns Vertrauen schenken.“

Man kann diese Beobachtungen auch so zusammenfassen: Es wird ernst – und die Branche beginnt zu…

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