Caroline van der Voort ist geschäftsführende Gesellschafterin des Sanitär-Anbieters Calodar, Erwin Van Osta ist Mitinhaber der Baumarktkette Hubo. Sie wurden 2026 beziehungsweise Ende 2025 zu Präsidenten ihrer jeweiligen Verbände gewählt.
Caroline van der Voort ist geschäftsführende Gesellschafterin des Sanitär-Anbieters Calodar, Erwin Van Osta ist Mitinhaber der Baumarktkette Hubo. Sie wurden 2026 beziehungsweise Ende 2025 zu Präsidenten ihrer jeweiligen Verbände gewählt.

EDRA/GHIN und HIMA

Belgische Doppelspitze

Die neue Präsidentin der HIMA und der neue Präsident von EDRA/GHIN kommen aus demselben Königreich und kennen sich gut. Ihre gemeinsame Agenda heißt Transparenz. 

An der Spitze gleich beider internationaler Verbände der Home-Improvement-Branche – beim Handelsverband EDRA/GHIN und beim Herstellerverband HIMA – wird es künftig sehr belgisch zugehen: Die neuen Vorsitzenden kommen aus dem Königreich. Caroline van der Voort ist geschäftsführende Gesellschafterin des belgischen Sanitär-Anbieters Calodar, Erwin Van Osta ist Mitinhaber der belgischen Baumarktkette Hubo.

Ist es nicht sehr einseitig und damit nachteilig, dass die beiden Persönlichkeiten, die die gesamte Branche international repräsentieren, dieselbe Nationalität haben? Wer mit beiden spricht, kommt zu dem Schluss: Es ist eher ein Vorteil. Denn sie kennen sich, sie respektieren sich, und – wohl am wichtigsten – sie vertrauen sich.

Das wird deutlich, wenn sie über das potenziell konfliktträchtigste Thema ihrer neuen Ämter sprechen: das Verhältnis von Händlern und Herstellern unter den aktuellen Bedingungen des Marktes, den beide als „unter Druck“ bezeichnen. Beide betonen, wie wichtig in dieser Situation Transparenz auf beiden Seiten ist.

Wir brauchen einen stärkeren Fokus auf den Endverbraucher.
Erwin Van Osta 

„Wir brauchen mehr Transparenz, einen besseren Datenaustausch und einen stärkeren Fokus auf den Endverbraucher“, sagt Van Osta. Die Zusammenarbeit im Bereich Nachhaltigkeit und Innovation werde zunehmend wichtig. „Wenn wir von transaktionalen Beziehungen zu strategischen Partnerschaften kommen, wird die gesamte Branche profitieren“, fasst er zusammen.

Seine Präsidenten-Kollegin auf Herstellerseite greift diesen Punkt auf. „Wir müssen offen miteinander umgehen“, betont sie und meint mit „wir“ nicht nur die beiden Seiten Händler und Lieferanten, sondern die gesamten jeweiligen Organisationen. Die Führungsspitzen verstünden sich immer gut, aber: „Wir hoffen, dass Partnerschaften nicht nur auf C-Level-Ebene offen diskutiert werden, sondern in den Organisationen insgesamt.“

Wir müssen offen miteinander umgehen.
Caroline van der Voort 

Die beiden Vorsitzenden sind sich in den Zielen für die Gesamtbranche einig. Auch ihre Motivation, sich für dieses Amt zur Verfügung zu stellen, formulieren sie ähnlich. Für Caroline van der Voort ist es das Bekenntnis zur Branche gerade als Mitinhaberin eines mittelständischen ­Familienunternehmens, Erwin Van Osta will der Branche etwas zurückgeben und mithelfen, sie ­voranzubringen. Und beide betonen: Es geht ihnen um die Menschen in der Branche.

Aber selbstverständlich setzen beide eigene Akzente aus ihrer jeweiligen Perspektive. Die HIMA-Präsidentin setzt einen Fokus auf mittelständische Betriebe und deren Stärkung, auch und gerade mit Blick auf EU-Regularien. Sie will den standardisierten Datenaustausch voranbringen und mahnt eine transparente Zusammenarbeit mit dem Handel an.

Diesen Punkt greift der EDRA/GHIN-Präsident auf, wenn man ihn nach den Prioritäten seiner Amtszeit befragt: „Die Abstimmung entlang der Wertschöpfungskette ist entscheiden für den langfristigen Erfolg.“ Der zweite Punkt auf seiner Prioritätenliste ist der Wissensaustausch zu den Schlüsselthemen der Transformation, also Digitalisierung, Nachhaltigkeit und neue Kundenerwartungen. Und schließlich nennt er als dritte Priorität die Stärkung von EDRA/GHIN als strategische Plattform für Zukunftsthemen und als Beispiel dafür Scope 3.

Die Neuen 

... sind natürlich alles andere als neu in der Branche: Caroline van der Voort arbeitet seit mehr als 25 Jahren in der Home-Improvement-Branche. Am 22. April 2026 wurde sie zur Präsidentin des Herstellerverbands Hima gewählt, der in diesem Jahr sein 25. Jubiläum feiert.

Erwin Van Osta hat seine Baumarkt-Karriere bei Gamma in Belgien begonnen. Seit 1992 ist er Mitinhaber von Hubo België, als die Kette von der niederländischen Muttergesellschaft unabhängig wurde. Über ihn wird wegen gewisser Ähnlichkeiten schon mal gesagt: Welcher andere Verband kann sich rühmen, Mick Jagger zum Präsidenten zu haben?

Die Nationalitäten der Vorsitzenden beider Verbände haben auf belgisch gewechselt, von französisch (und ein bisschen britisch) auf Seiten der Händler – hier stand zuvor der Kingfisher-CEO Thierry Garnier an der Spitze – und von deutsch auf Seiten der Hersteller – hier hatte Reinhard Wolff von Wolfcraft das Amt seit 2009 inne. Aber die neue belgische Doppelspitze der internationalen Gesamtbranche macht deutlich, dass sie zwar eigene Akzente setzt, aber die Kontinuität der bisherigen Verbandslinien bewahren will. „Die Menschen zusammenbringen“, zählen beide zu den Aufgaben, auf die sie sich in ihren neuen Ämtern am meisten freuen, und beide sprechen explizit davon, dass sie die Diversität ihrer jeweiligen Mitglieder als echte Stärke schätzen.

Vielleicht am deutlichsten wird Erwin Van Osta: Er will das Erbe des Mit-Gründers John Herbert fortführen. Das Ziel, das er für die Zukunft des Verbands formuliert, könnte jedenfalls eines sein, das der EDRA/GHIN-Initiator schon gesehen hat: eine Global Home Improvement Asso­ciation, eine echte Verschmelzung des europäischen Verbands EDRA mit dem internationalen Netzwerk GHIN. „Ein Verband, ein Ziel“, bringt Van Osta das Ziel auf den Punkt. „Let’s call it One.“ n

Rainer Strnad

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