Reinhard Wolff ist geschäftsführender Gesellschafter des Werkzeugherstellers Wolfcraft. Als HIMA-Präsident stand er von Anfang an auf der Bühne des Global DIY-Summit.
Reinhard Wolff ist geschäftsführender Gesellschafter des Werkzeugherstellers Wolfcraft. Als HIMA-Präsident stand er von Anfang an auf der Bühne des Global DIY-Summit.

HIMA | Langfassung

Ein überzeugter Europäer

Reinhard Wolff stand 18 Jahre lang an der Spitze des europäischen Herstellerverbands HIMA und findet: Der Umgang miteinander in der Branche ist schon wirklich okay.

Du wurdest 2009 zum Vorsitzenden der FEDIYMA gewählt und seither immer in diesem Amt – auch nach der Umbenennung des Verbands in HIMA – bestätigt. Was sind aus Deiner Sicht die größten Veränderungen in der Branche in dieser Zeit?

Reinhard Wolff: Das ist als erstes die Digitalisierung, und zwar in allen Formen, zum Beispiel mit Social Media und Influencern Themen besetzen, dann der Bereich Apps und Marktplatz oder das Thema Belieferung und Dropshipment. Die Supply Chain wurde jahrzehntelang unter den Schlagworten „just in time“ und „lean“ betrieben. Aber seit Corona und jetzt mit der Straße von Hormus ist das auf den Kopf gestellt worden, dieses globale Netz, das hart getaktet war. Corona hat außerdem Veränderungen im Kaufverhalten angestoßen. Während der Pandemie wurde geheimwerkt, jetzt werden Reisen und Party gemacht. Verändert hat sich auch die Thematik Umwelt und Klimaerwärmung. Und wenn man noch weiter zurückgeht, muss man sagen: Es gab gewaltige Umbrüche. Die Branche setzt sich als Ganzes damit auseinander und hat es verstanden, auch immer die Chancen darin zu sehen: Man geht die Dinge an. Die Branche lebt – aber wir sind sicherlich in herausfordernden Zeiten.

 

Gerade in diesen herausfordernden Zeiten wird immer betont, wie wichtig das Verhältnis zwischen Industrie und Handel sei. Wie hat sich dieses Verhältnis entwickelt?

Es ist natürlich immer ein Verhältnis Lieferant zu Kunde. Das braucht man auch nicht wegzudiskutieren. Aber sowohl als Unternehmer als auch als Verbandsarbeitender habe ich immer gesehen, dass man vernünftige Gespräche führen kann. Das Verständnis, dass man die Dinge gemeinsam angehen muss, war immer da. Das ist schon etwas, das die Branche auszeichnet.

 

Ist dieses Verständnis gewachsen?

Die Themen, bei denen wir im Augenblick als Industrie und Handel zusammenarbeiten, sind einfach vielfältiger und komplexer. Ein Beispiel ist die Initiative Make It Zero: Wir bemühen uns, dem Klimawandel da, wo wir es können, etwas entgegenzusetzen. Auch das Verhalten großer Baumarktbetreiber während der Corona-Krise, als sie uns schriftlich versichert haben, dass sie das Problem der schwer angeschlagenen Supply Chain kooperativ gemeinsam mit uns lösen wollen, ist so ein Beispiel. Und: Im Vergleich zu früher werden die Themen jetzt professioneller abgearbeitet, auch international. Also das ist schon wirklich okay – gerade wenn man es mit anderen Branchen wie den Food-Bereich vergleicht, wo weltweit agierende Elefanten aufeinandertreffen.

 

Was war deine größte Herausforderung als HIMA-Präsident – worauf bist du am meisten stolz?

Die Begleitung der Veränderung in der Branche, die sich übrigens auch in den Themen widergespiegelt haben, die wir auf dem Global DIY-Summit präsentiert haben. Es gab natürlich immer viele Gespräche im Hintergrund, um als HIMA gemeinsam mit den nationalen Verbänden eine gemeinsame Position zu formulieren. Das ist uns beispielsweise gelungen, als in der EU mitten in der Finanzkrise die Zahlungsziele auf 30 Tage verkürzt werden sollten – eigentlich zu unseren Gunsten. Aber als HIMA haben wir ganz klar eine Position mit den nationalen Verbänden herausgearbeitet, dass wir das nicht unterstützen. Die Befürchtung war: Da gehen auf Handelsseite Strukturen kaputt, nur die Guten überleben, die Schwächeren scheiden aus. Das ist auch nicht in unserem Interesse, und die Industrie ist sehr gut mit dem Zahlungsziel von 60 Tagen zurechtgekommen. Schließlich geht es um viele Faktoren. Der Baumarkt hat eben sehr hohe Margen und kann deshalb mit einem geringeren Umschlag leben – dagegen hast du im Foodbereich den Joghurt schon dreimal verkauft, wenn du den Lieferanten bezahlst. Gegen diesen Plan haben wir international innerhalb weniger Tage ein klares Statement zum Wohle der Gesamtbranche abgegeben. Das Commitment der nationalen Verbände war da, auch wenn es vielleicht nicht allen Mitgliedsfirmen gefallen hat. Aber als Branche haben wir da wirklich klug reagiert.

 

Warum hast du das alles gemacht, was hat dich motiviert? Dir wäre doch bestimmt nicht langweilig geworden.

Die HIMA war für mich immer auch eine Plattform, um mich mit europäischen Unternehmen auszutauschen und um direkt mit dem Handel zu kommunizieren. Außerdem bin ich einfach überzeugter Europäer und wollte diese Idee auf dieser Ebene unterstützen. Ich habe 40 oder 50 Länder bereist und zu Hause gesagt: Ich gehe Baumärkte gucken. Ich habe diese Länder nicht nur als Tourist kennengelernt und die unterschiedlichsten Leute getroffen.

 

Ich ahne schon, wie die Antwort ausfällt, wenn ich dich frage, ob das eigentlich immer Spaß gemacht hat.

Ja, sonst macht man das nicht 18 Jahre lang. Es hat natürlich nicht immer Spaß gemacht, es gab auch Probleme, Diskussionen und Stresssituationen. Aber das löst man dann auch.

 

Die Fragen stellt Rainer Strnad. Die beiden duzen sich seit Langem.

Dies ist die Langversion des Beitrags aus der Printausgabe diy 6/2026.

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