Stephan Engster ist CEO von Compo.
Stephan Engster ist CEO von Compo.

Compo

Resilienz im Gartenregal

Wie reagiert ein Unternehmen wie Compo auf den Krieg im Iran? Mit nachhaltigen und langfristig gedachten Strategien, ordnet Compo-CEO Stephan Engster ein. 

Wer im Frühjahr im Baumarkt Dünger kauft, erwartet neben Qualität und Wirkung vor allem auch Verlässlichkeit und ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Insbesondere letzteres hängt bei Düngemitteln jedoch von einem komplexen Zusammenspiel aus Rohstoffen, Energiepreisen und Logistik ab. Gerät an einer dieser Stellen etwas aus dem Gleich­gewicht – etwa durch geopolitische Spannungen oder volatile Energiemärkte – reagiert der Markt schnell.

Das zeigt sich erneut an der Eskalation in der Golfregion und dem Krieg in Iran: Die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus trifft insbesondere industriell produzierten, mineralischen Dünger für professionelle Anwendungen, dessen Herstellung und Transport stark energieabhängig sind.  

Compo-CEO Stephan Engster ordnet ein, warum mineralische Dünger besonders volatil bleiben, ob und wie diese Effekte im DIY-Handel ankommen – und welche Rolle regionale, kreislauf­orientierte Produktionsansätze für mehr Resilienz und Planungssicherheit spielen: „Die Gefährdung der Straße von Hormus trifft ein zentrales Nadelöhr des globalen Düngemittelhandels“, erklärt Engster. Dort ist ein erheblicher Teil der Stickstoffdüngerproduktion verortet – und genau diese Produkte sind besonders energiegetrieben. „Stickstoffdünger ist stark erdgasbasiert“, betont der Compo-CEO. Regionen mit besonders günstigem Gas dominierten den Markt. Politische oder militärische Störungen würden dadurch schnell auf Preise und Verfügbarkeit durchschlagen. Die entscheidende Erkenntnis aus den letzten Jahren sei: Krisen sind kein Ausnahmezustand mehr. „Die eigentliche Frage lautet nicht, ob es Krisen gibt, sondern wie stark sie auf Preise, Verfügbarkeit und am Ende auf unsere Versorgung durchschlagen“, sagt Engster.

Auch wenn industriell produzierte mineralische Dünger mitunter knapp und teuer werden, wird Düngen für Hobbygärtner nicht plötzlich unerschwinglich und genau das ist auch im Handel derzeit so zu beobachten, ordnet Engster ein: „Was wir aktuell nicht sehen, ist ein klassischer Preisschock im Gartenregal.“ Was Kunden jedoch künftig stärker merken könnten, sind Schwankungen – vor allem im mineralischen Segment. „Preise ändern sich schneller, Aktionen werden unregelmäßiger und einzelne Produkte sind zeitweise schlechter verfügbar“, so Engster. Hinzu kommen mittelbare Effekte wie gestiegene Energie- und Transportkosten, höhere Löhne und das alles mündend in inflationären Tendenzen. „Sie wirken selten abrupt, summieren sich jedoch im Alltag“. Gleichzeitig habe sich der Markt in den vergangenen Jahren spürbar verändert: „Organische Alternativen sind heute in guter Qualität und zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar. Verbraucher müssen sich nicht mehr zwischen Leistung und ‚gutem Gewissen’ entscheiden“, bestätigt Engster.

Die laut Hersteller „modernste Produktionsanlage Europas  für organische und organisch-mineralische Festdünger“ steht  in Münster bei Compo.
Die laut Hersteller „modernste Produktionsanlage Europas  für organische und organisch-mineralische Festdünger“ steht  in Münster bei Compo. (Quelle: Sebastian Wolf)

Strategie statt Aktionismus

Für Compo bedeute das: Klassische mineralische Lieferketten bleiben volatil und schwer kalkulierbar. Die Unternehmensgruppe setzt deshalb auf robuste Strukturen. „Für uns ist entscheidend, frühzeitig in resiliente Strukturen zu investieren. Unsere Produktion ist heute so stark und stabil, weil wir Abhängigkeiten über die letzten Jahre bewusst reduziert haben und einen alternativen Weg eingeschlagen haben. Unterstützt durch den Investor Duke Street hat Compo diese Richtung früh und bewusst gewählt“, sagt Engster.  

In Münster betreibt das Unternehmen seit 2024 die, laut Compo Stand heute, „modernste Produktionsanlage Europas für organische und organisch-mineralische Festdünger“. Verarbeitet werden überwiegend nachwachsende, regional bezogene Rohstoffe aus der Kreislauf­wirtschaft – etwa Schafwolle, Weizenkleie oder Zucker­rübenvinasse. Die Vorteile: Diese Rohstoffe sind sowohl nachhaltiger und nicht direkt an globale Energie- und Geopolitik-Hotspots gekoppelt.  

Für Handelspartner übersetze sich das in höhere Liefersicherheit und Preisstabilität – gerade dann, wenn mineralische Warenströme ins Stocken geraten, aber: „Ebbe und Flut heben und senken alle Boote“, sagt Engster und weist damit auf die zu erwartenden Verschiebungen im Einkaufspreisgefüge hin: „Wenn die Nachfrage nach mineralischen Lösungen bei knappem Angebot weiter hoch ist, treibt das die Preise in diesem Segment und gleichzeitig Abnehmer in alternative, vermeintlich günstigere Lösungen, die durch gestiegene Nachfrage und damit Verknappung ebenfalls einen Preissprung erwarten lassen, allerdings in deutlich abgemilderter Form. Wir gehen hier nicht von Verdoppelungen aus.“

Die Verschiebung hin zu organischen und organisch mineralischen Lösungen sei für Compo keine Krisenreaktion, sondern essenzieller Teil der Unternehmensstrategie. „Wir denken Leistungsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit konsequent zusammen“, betont Engster. „Die Anlage ist energieeffizient konzipiert, modular aufgebaut und auf Erweiterung ausgelegt – ein Plus an Flexibilität, wenn sich Nachfrage und Marktbedingungen ändern.“

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