Ein Weiß also. Die Pantone Farbe des Jahres 2026 Cloud Dancer, die für manchen vielleicht erst einmal langweilig wirkt, ist für Branchenexperten genau das Gegenteil, denn: Sie eröffnet den Raum für vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und passt zudem genau in die aktuelle Zeit.
„Ein edles Weiß, das als Symbol für beruhigende Einflüsse in einer Gesellschaft dient, die den Wert der stillen Reflexion wiederentdeckt“ – so beschreibt Pantone den Ton 11-4201, der zur Farbe des Jahres 2026 gekürt wurde. Cloud Dancer sei ein „wogendes Weiß“, das für Entspannung und Fokus sorge und „Raum für gedankliche Weite“ schenke, „damit Kreativität atmen kann und Innovation entstehen darf.“
Dass das funktioniert, zeigen nicht nur die „kleinen“ Projekte, die in den privaten Häusern, Gärten und Werkräumen auf der ganzen Welt entstehen und über soziale Netzwerke mit anderen Menschen geteilt werden, die Trendfarbe inspiriert auch zahlreiche Unternehmen, insbesondere aus den Bereichen Wohnen und Mode, zur Schaffung neuer Produkte und Sortimente. Alpina etwa hat Anfang des Jahres seine Pantone-Kollektion für Ready-Mix-Farben um den neuen Ton ergänzt. Wer will, kann beinahe sein ganzes Umfeld in Cloud Dancer hüllen – Möbel der Marke Joybird, Teeservices von Mandarin Oriental, Knete von Play-Doh, Unterhaltungselektronik von Itel, Smartphones von Motorola, Düfte von Pura, Klebezettel von Post-It oder Klebelösungen von Command kommen im neuen Trendton auf den Markt.
„Cloud Dancer ist wie gemacht für den Interior-Bereich und bereichert dank vielseitiger Kombinierbarkeit das Fachhandels-Sortiment langfristig“, so das Urteil der Trendexperten der Plattform „Conzoom Solutions“, die die Messen Ambiente, Christmasworld und Creativeworld ins Netz verlängert. Als Kombinationshilfe veröffentlicht Pantone Farbpaletten, die mit dem Trendton harmonieren. In diesem Jahr sind das die Pastell- und Naturtöne „Powdered Pastels“, die, so Pantone, „feine, stimmige Farbnuancen schaffen, die dezent und ausgesprochen angenehm wirken“. Nicht knallig, aber doch kontrastreicher ist die Farbpalette „Light & Shadow“. Sie wird als „sanft verhüllte Farbwelt“ beschrieben, „deren Töne allmählich in schattige Nuancen übergehen“.

Nicht nur bei Pantone dominieren in diesem Jahr ruhige, gedeckte Farbtöne. Schöner Wohnen-Farbe etwa hat Macchiato zum Trendfarbton gekürt. 2026 gewinne Beige-Braun in der Mode sowie im Interior-Bereich zunehmend an Bedeutung, haben die Experten aus Münster herausgefunden. „Die ausgewogene Tiefe und das zarte Gleichgewicht des Farbtons zwischen warmem Beige und gedämpftem Braun verleiht Räumen eine behagliche Geborgenheit, ohne aufdringlich zu wirken“, erläutert Schöner Wohnen-Farbe. Und auch Macchiato lässt sich mit einem Weißton kombinieren – der bei der Farbenmarke jedoch Wool heißt. Ebenso lasse sich mit Grün- sowie Blautönen eine ruhige, harmonische Atmosphäre schaffen.
Eine weitere vielbeachtete Institution, wenn es um Farbtrends geht, ist das Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung, welches das RAL-System für genormte Farbtöne entwickelt und zudem Trendreports herausgibt. In diesem Jahr heißt dieser Bericht Colour Feeling 2026+ und umfasst 15 Farbtöne.
Hier finden sich warme Töne wie Rosigbraun, Rostfarben, Fuchsrot oder Erdnusscreme, die in Grau- und Beigenuancen wie Knoblauchbeige, Pfefferweiß (auch hier ein Weißton!), Perlgelb und Olivingrau übergehen. Pastelliges wie Opalinrosa ist hier ebenso zu finden wie Blau- und Grüntöne.
„Design steht derzeit im Spannungsfeld zwischen Innovation und Neuinterpretation von Vertrautem. Einerseits ermöglichen Digitalisierung und KI ganz neue Bildwelten, andererseits finden traditionelle Techniken und kulturorientierte Ästhetik weiterhin starke Wertschätzung“, erklärt das RAL-Institut. Auch die Kundschaft habe sich verändert: „Viele Menschen sind besser informiert als je zuvor. Sie erwarten erschwingliche, praktische und emotional ansprechende sowie gleichzeitig ökologisch und ethisch vertretbare Produkte. Globale wirtschaftliche, soziale und politische Krisen und Umweltkatastrophen verstärken diese Tendenz.“
Laura Rinn












