Kunst aus dem Baumarkt

Raw Materials - Vom Baumarkt ins Museum

Kunst aus Baumarktmaterialien wie die von Tony Cragg: Die Predigt (1985) zeigt die Städtische Galerie in Bietigheim-Bissingen.Bildunterschrift anzeigen
Kunst aus Baumarktmaterialien wie die von Tony Cragg: Die Predigt (1985) zeigt die Städtische Galerie in Bietigheim-Bissingen.

Die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen zeigt noch bis zum 30. März ihre Ausstellung unter dem Motto "Raw Materials - Vom Baumarkt ins Museum". Spanplatten, Abflussrohre, Schleifpapiere, Paletten und Farbeimer - seit den 1960er Jahren verwenden immer mehr Künstler solche einfachen Materialien aus dem Baumarkt für ihre Arbeiten, und dies gerade weil sie so gewöhnlich und alltäglich, leicht verfügbar, meist günstig und eigentlich jedem Betrachter sehr vertraut sind, meinen die Ausstellungsmacher. Das Material, das nicht gemäß seinem eigentlichen Verwendungszweck eingesetzt, sondern in einen neuen Kontext überführt wird, kommt dabei immer nahezu unverstellt zur Geltung: mal rau und sperrig, mal glatt und clean, gemäß der Aussage von Hartmut Böhm "Ich habe mich in den Baumarkt begeben in der Hoffnung, unbelastetes Material vorzufinden." Die industrielle Fertigung und die damit verbundene massenhafte Verfügbarkeit der immer gleichen Produkte bedeuten auch, dass die Waren aus dem Baumarkt zunächst neutral und bedeutungsoffen sind. Sie haben, anders als Materialien vom Sperrmüll oder aus dem Trödelladen, (noch) keine individuelle Geschichte, die der Betrachter in ihnen erkennen könnte. Es ist diese Offenheit, aber auch die Normierung über Laden-, Stadt- und sogar Ländergrenzen hinweg, welche viele Künstler besonders schätzen.
Die Ausstellung "Raw Materials" stellt diesen bemerkenswerten Aspekt der internationalen zeitgenössischen Kunst umfassend vor. Knapp dreißig renommierte Künstler unterschiedlicher Generationen sind mit Skulpturen, Wandarbeiten, Videos, Fotografien und Rauminstallationen vertreten, in denen die wohlbekannten Alltagsmaterialien überraschende ästhetische Wirkungen entfalten und häufig auch mit viel Witz behandelt werden. Die künstlerischen Auseinandersetzungen sind vielfältig und reichen von Materialuntersuchungen über ästhetische Befragungen von Kontext und Wahrnehmung bis hin zu humorvollen Brüchen mit Erwartungen von dem, was Kunst sei. So bietet die Ausstellung eine einzigartige Reise zu bekannten Materialien, die hier unter einer völlig neuen Perspektive wahrgenommen werden können - und durch die sicherlich auch der nächste Besuch im Baumarkt eine ganz neue Erfahrung wird.
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