Global DIY-Network

Sind Pilzwurzeln das Verpackungs- und Baumaterial der Zukunft?

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Jan Berbee sprach mit Victoria Neuhofer über alternative Verpackungsmaterialien. 
24.06.2021

Pilze transportieren Informationen und Nährstoffe zwischen den Pflanzen und Bäumen. Doch sie können noch viel mehr, wie Jan Berbee, Gründer und Inhaber des niederländischen Unternehmens „Grown.bio“, im Rahmen des Global DIY-Network vorstellte. Im Gespräch mit Victoria Neuhofer, der Gründerin von Damn Plastic, erläuterte er, wie man das Wurzelnetz von Pilzen zur Herstellung von Verpackungen, Baumaterialien und sogar Möbeln verwenden kann.

Das sogenannte Mycel (englisch: mycelium) wachse auf sämtlichen organischen Untergründen und ernähre sich von Bio-Abfällen, erkärte Berbee. Man könne es daher als Recycler oder Reiniger der Welt bezeichnen. Wird das Mycel nicht mehr benötigt, lasse es sich klein krümeln und zurück zur Erde geben, wo es die Heimpflanzen mit Nährstoffen versorge. Darüber hinaus fungiere es als natürlicher Kleber und lasse sich zu einem sehr weichen, aber starken Material verarbeiten.

Dafür wird zunächst eine Form aus Hanf hergestellt, auf der der Pilz heranwachsen kann. Dafür benötigt er zwischen drei und fünf Tagen. Im Anschluss wird er rund zwei Tage lang im Ofen getrocknet. Das Unternehmen besitzt zwar eine Fabrik, bietet Kunden aber auch die Möglichkeit, mit Hilfe eines DIY-Kits ihre eigenen Mycelverpackungen herzustellen. Denn das Material lässt sich auch im eigenen Keller oder Büro züchten. Somit falle im Vergleich zur Nutzung von Styropor der Transport weg, das Produkt könne recycelt werden, das „Futter“ für die Pilze lasse sich aus regionalen Quellen beziehen und, wie Berbee unterstrich, es müsse kein fossiler Rohstoff wie Öl mehr aus dem Boden geholt werden.  

Zwar sei diese Verpackungsart bislang noch sechs bis sieben Mal so teuer wie vergleichbare Produkte aus Styropor, sagte der Unternehmensgründer, jedoch erwarte er, dass die Kosten für Plastikalternativen künftig ansteigen. Darüber hinaus sei der Preisunterschied nicht mehr so groß, betrachte man die ganze Kette von der Produktion der Verpackung bis zur Entsorgung, da neben den Kosten für Recycling und Transport in vielen Ländern auch noch Steuern für Müll hinzukämen.   

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