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1998, Nr. 3, S. 87 HANDEL    Trendwende im Konsumverhalten: Zurück in die 80er Jahre? Erstmals seit Mitte der 80er Jahre zeichnet sich im Konsumverhalten der Bundesbürger, hervorgerufen durch finanzielle Grenzen, eine deutliche Trendwende ab. Das bedeutet: “Zurück in die eigenen vier Wände"; auch zum Heimwerken?   Vor allem der Erlebnishunger der Deutschen stößt zunehmend an Grenzen, denn auch das Konsumverhalten bleibt von der konjunkturellen Entwicklung nicht unberührt. Ein neues Zeitalter der Sparmaßnahmen hat begonnen - im privaten genauso wie im öffentlichen Bereich. “Zehn Jahre lang war der Trend zum Erlebniskonsum richtungweisend. Jetzt ist offensichtlich der Zenit des noch Bezahlbaren erreicht und teilweise sogar schon überschritten", so Prof. Dr. Opaschowski, der Leiter des Freizeit-Forschungsinstituts, Hamburg. Bereits vor einigen Monaten hatte er angekündigt: “Der Einzelhandel (z.B. Kleidung, Möbel, Lebensmittel) bekommt die Einschränkungen schon lange zu spüren; bald wird die Sparwelle auch Freizeitbranchen wie Hobby, Sport und Urlaubsreisen erreichen". Am Freizeitkonsum wird traditionell zu allerletzt gespart, weil hier finanzielle Einschränkungen subjektiv am schwersten fallen. Der Erlebniswert bestimmte bisher die Höhe der Geldausgaben. Doch nun ist erstmals der Punkt erreicht, wo es vom Ausgeben zum Verausgaben nur noch ein Schritt ist.   Ein Jahrzehnt lang ließen sich viele Bundesbürger beim Konsumieren in der Freizeit mehr von ihren Gefühlen als von ihrem Geldbeutel leiten. Sie entwickelten sich dabei zu gespaltenen Verbrauchern: Was sie beim Erlebniskonsum am Wochenende zuviel ausgaben, mußten sie während der Woche beim lebensnotwendigen Versorgungskonsum wieder einsparen. Sie beherrschten also das Einsparen genauso wie das Verschwenden. Gut ein Drittel der Deutschen gab unumwunden zu, daß es “in der Freizeit zuviel Geld" ausgab - mit steigender Tendenz: 1986 - 28 Prozent; 1991 - 34 Prozent; 1995 - 35 Prozent. Auch hier ist erstmals ein Meinungsumschwung feststellbar. Der Anteil der Bundesbürger, die in ihrer Freizeit gelassen über ihre Verhältnisse leben, wird wieder kleiner: 1997 - 31 Prozent. Opaschewski: “Sinkende Realeinkommen machen den Verbrauchern bewußt, daß Bärenhunger wieder genauso wichtig ist wie Erlebnishunger." Konsumerlebnisse verlieren zwar nicht ihre Attraktivität, aber Basisbedürfnisse müssen erst einmal gesichert sein. Eine Erfahrung, die die Ostdeutschen schon jahrzehntelang gemacht haben. Infolgedessen können…
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