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1998, Nr. 3, S. 3 KOMMENTAR    Karl-Heinz Dähne Die Götzianer haben sich endgültig verabschiedet   “Wir bedauern außerordentlich, Ihnen mitteilen zu müssen, daß wir gezwungen sind, am 06.02.1998 Konkursantrag für die Unternehmen der Götzen-Gruppe zu stellen". Diese Nachricht erreichte uns am Donnerstag der 6. Woche des noch jungen Jahres 1998. Vorausgegangen war eine wochenlange Ungewißheit über den tatsächlichen Stellenwert der “roten Zahlen", in die das Unternehmen geraten war, und die Frage, ob sich diese in einem für die Banken noch akzeptablen Rahmen bewegen würden. Aber dann, Ende Januar 1998, stand es fest, daß das Loch, das gestopft werden mußte, eine Dimension von rund 360 Mio. DM erreicht hatte. Und dazu wollten sich, trotz eines angeblich vorliegenden, zukunftssichernden Sanierungskonzeptes, die fast 40 Geldinstitute nicht bereiterklären.   Auch wenn der ganze Umfang der Ursachen, die schlußendlich in das Chaos geführt haben, heute noch nicht feststeht, so weiß man doch, daß es gerade das war, was von Götzen immer und immer wieder als besonderer Erfolg herausgestellt wurde: die berauschend-gefährliche Expansion in den neuen Bundesländern, verbunden mit der Tatsache, daß sich in Ostdeutschland ein Versorgungs-Überangebot an Heimwerkerbedarf aufgebaut hat, und daß sich das Konsumverhalten der Menschen in jüngster Zeit rapide verändert hat. Für Außenstehende kaum faßbar ist heute außerdem, daß man sich bei Götzen in dieser doch wohl - zumindest für Insider - schon seit längerer Zeit erkennbaren Situation, vor kurzem noch ernsthaft um die Übernahme der Kathreiner-Gruppe bemüht hat. Man kann, aufgrund der Ereignisse der letzten Wochen, zu der Annahme kommen, daß man in Duisburg tatsächlich erst viel zu spät erkannt hat, daß das bis dahin doch recht erfolgreiche Schiff auf Schlingerkurs geraten war. Daß es auch mit Hilfe vieler Gläubiger nicht wieder auf richtigen Kurs zu bringen war, ist - verkürzt - dem Götzenbrief zu entnehmen: “Danken möchten wir allen beteiligten Gläubigern für ihre Geduld und nachhaltige, konstruktive Mitarbeit und Unterstützung bei unseren Bemühungen zur Überwindung unserer Krise".   Hatte ich vor erst sechs Monaten Wolfgang Wirichs zu erwähnen, dessen Lebenswerk recht sang- und klanglos einer anderen Handelsgruppe zugeordnet wurde, so betreffen meine Worte heute das schwere Schicksal von Bernhard F. Kochanneck. Gehört er doch unbestritten zur “alten Garde", den Pionieren des europäischen Handels, die es verstanden haben…
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