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Philosophie als Logistikproblem

Helmut Reitz und Hans-Georg Klinger von Domäne zu Werbebotschaften, Kunden und Innenstädten

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diy: In diesem Jahr wurde Domäne 30 Jahre alt. Wie wurde gefeiert?
Helmut Reitz: Wir hatten das 25-Jährige groß gefeiert und hatten damals mit den Jubiläumspreisen einen ordentlichen Erfolg. Auch jetzt zum 30. hatten wir bei unseren Aktionen mit weitem Anstand mit einem Umsatzplus von 30 Prozent die höchsten Jahresumsätze erreicht, erhielten aber auch eine Abmahnung. Geld ist also bei den Konsumenten da; es muss nur einen Anlass für den Käufer geben, zu uns zu kommen und einzukaufen.
Mit Ausblick auf Kreuzberg: Helmut Reitz sieht Probleme beim Konzeptionstransport.
diy: Reicht es denn heute aus, dass der Handel nicht mehr macht, als die Ware nur zu verkaufen?
Reitz: Nein. Das Hauptproblem ist der Transport der Philosophie, nicht der Lockangebote. Unsere Produkte sind in der Regel günstiger als beim Wettbewerb. Aber anders als z.B. Ikea können wir keine Trends transportieren. Wir eröffnen neu und werben auch äußerst aggressiv.
Wir haben kein Mix-Preis-, sondern ein Einheitspreissystem, nach dem wir die Ware verkaufen; damit wollen wir häusliche Entscheidungen innerhalb von Budgets erleichtern: zwei, vier, sechs und acht € je Einheit bei Tapeten, Gardinen und Bodenbeläge. Das macht inzwischen rund ein Drittel unseres Gesamtumsatzes aus. Da wir Top-Qualitäten bereits ab vier € verkaufen, sind wir auch nicht so sehr von Umsatzrückgängen betroffen wie andere. Wir haben einen extrem hohen Stammkundenanteil.
diy: Welche Rolle spielt z.B. hier in Kreuzberg der Standort, welche der Preis?
Hans-Georg Klinger: In unserem Konzept spielt der Preis neben der Qualität die wesentliche Rolle. In Kreuzberg kommt ein hervorragender Mikro-Standort hinzu. Zusammen ergibt das den überdurchschnittlichen Erfolg dieses Hauses.
Für Hans-Georg Klinger sind Qualität und Preis allein nicht ausreichend.
diy: Ist der deutsche Kunde „preisversaut“?
Reitz: Ja! Die beste Erfahrung, die ein Kunde machen kann, ist, dass er gerade preisgünstiger eingekauft hat als anderswo. Damit ist die Frage beantwortet. Doch nur 30 Prozent der Kunden kaufen preisvergleichend ein. Der Wettbewerb hat sich aber nicht auf die Kaufkraft eingestellt. Es wurde ein Verdrängungswettbewerb trotz zu großer Verkaufsflächen gefahren und nicht versucht, Deckung in die Läden zu bringen. Damit hat man Schiffbruch erlitten.
Natürlich war es nicht hilfreich, dass die Regierung wenige Tage nach der Wahl gesagt hat, dass man zukünftig 75 € im Monat weniger in der Tasche haben wird. Aber auch der Handel hat einen gehörigen Anteil an der…
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