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Ein 100.000-Dollar Missverständnis – ärgerlich und überflüssig

Wer sich für eine wichtige, neue Stelle vorstellt, sollte sich vor allen Dingen eines nehmen: viel Zeit
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Der erste Termin. Der erste Eindruck. Große Imponier-Gesten. Der Personalberater soll staunen. Lächelnd trotz Eile und Druck – ein morgenfrühes Signal trittfester Belastbarkeit. Ein Bilderbuch-Kandidat für die Aufgabe des Area Managers Central Europe?
Ursula König, Hofmann & Heads! AG & Co.
Er ist schon seit fünf Uhr früh auf den Beinen. Hat den ersten Flieger ab „Texl“ erwischt. Bitte erst einmal das aktuelle Zwischenzeugnis zu den Unterlagen. War ja gestern ein harter Tag: Konferenzen bis nach Mitternacht. – Na, dann woll’n wir mal, ja?
Noch bevor jetzt das Gespräch beginnt, hat sich der Mann leider, leider schon disqualifiziert. Es geht doch um eine wichtige Position, es geht um eine markante biografische Veränderung mit Wohnortwechsel, sprich Verlegung des Lebensmittelpunktes für die ganze Familie, in seinem Fall fünf Köpfe, neuer Gehaltsstufe samt neuem Arbeitsfeld, es geht wirklich um einen neuen Lebensabschnitt. Und er? Er schneit durch ein viel zu enges Zeitfenster herein, übermüdet und gehetzt, aufgedreht und entsprechend unkonzentriert. Wenn er hier schon in eigener Sache so leichten Sinnes auftritt, wie leichtsinnig wird er dann erst in fremden Angelegenheiten sein?
Man sieht ihn schon über die Gänge des Betriebes jagen, Kondensstreifen an den Ohren, seine Mitarbeiter mit Eilentscheidungen strapazierend. Ewig in demonstrativer Zeitnot und deswegen auch garantiert eher teamschwach.
Der wohl erhoffte Bonus für Schlafmangel und Überlastung bleibt indessen seine Illusion. Wenn nun auch noch ein Leistungstest angesetzt wird, bricht die geschönte Tüchtigkeitsfassade zusammen. Da wird das kleine Sprech- und Rechendefizit plötzlich unerwartet zum Problem. Der Konzentrations-Check wird zum Vabanquespiel. Und obendrein bleiben auch noch die sonst so geläufigen Namen und Ereignisse seiner Branche bleiern „auf der Zunge“. Nein, da hilft es auch nicht, frühere Erfolge noch schnell herunter zu haspeln. Denn gesucht wird ja nicht ein Mann mit Vergangenheit, sondern einer mit Zukunft.
Deswegen ist es für einen ernsthaften Neuorientierer sicher immer besser, auf einen allzu knappen Termin zu verzichten. Zu viel steht auf dem Spiel. Auch die gern aufgeführte Stress-Pantomime wird regelmäßig zum Eigentor. Denn wer ernst genommen werden will, nervt nicht mutwillig mit der Zeitdruck-Masche, mit der sich allenfalls im statusbetonten Konzernbetrieb noch Eindruck schinden lässt. Für das ganz normale Management gilt nach wie vor: Eine 100.000-Dollar-Entscheidung ist…
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