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Wenn Fernsehen auf Baumärkte trifft

Hätte, wäre, könnte: Der Konjunktiv bestimmte zwei Sendungen über die deutschen Baumärkte. Fazit: Gut gemeint, aber glorreich gescheitert.
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Gut, geschenkt: Das Fernsehen muss komplexe Themen vereinfachen, zuspitzen, in eine dramatisch-unterhaltsame Form gießen. Aber gleich so, gleich so schlimm? Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender widmeten sich im April in kurzen Abständen der deutschen Baumarktlandschaft. „hart aber fair“ und Wiso entdeckten binnen einer Woche den Heimwerker. Gerade bei Frank Plasbergs „hart aber fair“ hätte man mit einer informativen, wenn nicht kontroversen, so doch launigen Talk-Show gerechnet. Was geboten wurde, war .... , ja was jetzt? Armselig, dürftig, konzeptionslos? Über die Aussagekraft des sogenannten „Wiso-Duells“ (Obi gegen Praktiker) am 30. April kann man streiten. diy würde Ergebnisse, die auf einer so dürftigen Fakten- und Befragungsbasis beruhen, jedenfalls nicht veröffentlichen. Dass Obi im Gesamtergebnis Praktiker schlug, war ja keine so große Überraschung. Eher schon, dass die Haupttesterin eine Frau und dazu sogar noch eine selbständige Handwerkerin war. Ärgerlicher und enttäuschender war sicherlich die Diskussionsrunde „Wissen, wo der Hammer hängt“, zu der Frank Plasberg zu „hart aber fair“ am 23. April eingeladen hatte. Die Kritik von Journalistenkollegen an dem gewählten DIY-Thema ist dabei zweitrangig, denn man hätte daraus auch für eine primär politisch ausgerichtete Talk-Sendung durchaus etwas machen können. Wurde aber leider nicht, weil Plasbergs Redaktion überhaupt kein Kernthema, kein roter Faden einfiel. Und weil die Fakten, die die Redaktion (u. a. auch vom Dähne Verlag) im Vorfeld erhielt, nur marginal in die Sendung miteinflossen. Wie gesagt: Das Thema „Heimwerken in Deutschland“ hätte auch Tiefe und Brisanz für breite Zuschauerschichten haben können. Man denke nur an das Thema „Baumarktqualität“, an die Preiskriege oder an die Kundenklagen, wenn es um die Servicequalität in Baumärkten geht. Dr. Peter Wüst, als BHB-Geschäftsführer einer der Diskutanten bei „hart aber fair“, hatte somit fast leichtes Spiel bei seinen Statements, weil richtig heiße Eisen erst gar nicht angefasst wurden bzw. die Nachfragebereitschaft Plasbergs an diesem Abend nur rudimentär ausgeprägt war. Oder aber man wäre das Thema „Heimwerken“ kultursozio­logisch und eher unterhaltsam angegangen. Ein Kulturwissenschaftler hätte unter dem Motto „Der Deutsche und seine Heimwerkerseele“ sicherlich mehr zur Sendung beigesteuert als ein Bau­sachverständiger, dessen Mienenspiel und Äußerungen vermuten ließen, dass er nachts mit Vorliebe harmlose Do-It-Yourselfer verspeist…
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