Kriminelle Rauchmelder

02.12.2004
Nach Aldi Nord und Süd sind jetzt auch die Baumärkte dran: Angeblich sollen Hunderttausende funktionsunfähiger Rauchmelder in den Regalen stehen

Die Rückrufaktionen von Aldi Süd und Aldi Nord wegen nicht funktionsfähiger Rauchmelder am 19. November (wir berichteten) zieht inzwischen immer weitere Kreise. Gestern haben u.a. auch Hornbach und Praktiker mit entsprechenden Rückrufaktionen begonnen.
Die „Ruhr Nachrichten“ hatten aufgedeckt, dass funktionsuntüchtige Fälschungen in riesigen Stückzahlen im Einzelhandel zu kaufen sind. Original und Plagiat sind für den Kunden offensichtlich nicht zu unterscheiden. Der Importeur der Rauchmelder aus Mönchengladbach wird verdächtigt, allein an Aldi Süd über 370.000 defekte Rauchmelder verkauft zu haben. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft Gießen. Es sei davon auszugehen, so Oberstaatsanwalt  Reinhard Hübner, dass insgesamt einige hunterttausend Geräte verkauft wurden. Die Geräte tragen Prüfsiegel wie etwa das der Stiftung Warentest oder der Zertifizierungsstelle VdS Schadenverhütung in Köln. Zum Teil waren sogar Fehler beim VdS-Siegel des Originalproduktes des Herstellers Eyston Company Ltd., Hong Kong, („zertifiert“ statt „zertifiziert“) in die Fälschung übernommen worden. Die VdS hatte gestern zahlreiche Rauchmelder erworben und gestestet. Sie wurden einwandfrei als unbrauchbare Fälschungen identifiziert. Der Verband rät den Kunden, im Zweifelsfall auch bereits montierte Rauchmelder abzunehmen und zum Händler zu bringen. VdS-Sprecher Norbert Bernigau spricht, so der regionale Informationsdienst Westline, von einer Katastrophe. Heute Nachmittag findet bei der VdS zu diesem Thema eine Pressekonferenz statt, auf der man Näheres mitteilen will.
„Es gibt zwar nur vereinzelt Geräte, die diesen Verdacht nahe legen; für unsere Kunden gehen wir auf Nummer sicher“, so Markus Frey von Praktiker zur Rückrufaktion der Metro-Tochter. Wer einen Rauchmelder mit der Bezeichnung „Eurotools 70001“ gekauft habe, solle dieses Produkt zu seinem Praktiker-Baumarkt zurückbringen, so Frey weiter. Hornbach räumte seine Regale gleich europaweit von den fraglichen Produkten leer. „Es sieht nach wie vor nicht danach aus, dass wir Fälschungen im Sortiment haben“, so Robert Kautzmann, Assistent des Vorstandes. Eine flächendeckende Prüfung laufe aber noch „auf Hochtouren“, solange verkaufe man das fragliche Produkt auch nicht mehr. Bei Obi, Deutschlands größtem Baumarktbetreiber, sind bisher keine Rückrufmaßnahmen geplant, man überprüfe aber noch einmal in den Märkten seine Rauchmelderprodukte, so eine Sprecherin des Unternehmens.
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