Zweigeteilte Stimmung

16.12.2008
BBE zum Geschäftsjahr 2008 im Einzelhandel: Hoffnungsvolles ersten Halbjahr, stimmungsmäßige Kehrtwende im zweiten Halbjahr

Das Geschäftjahr 2008 ist im Einzelhandel stimmungsmäßig zweigeteilt. Während in den Monaten Januar bis Mai die Zuversicht und eine eher optimistische Haltung bei den Einzelhändlern vorherrschten, brach das Stimmungsbild im Juni ein. Zeitgleich mit dem Abschwung der deutschen Volkswirtschaft im Sommer 2008 hat auch das Vertrauen der Händler in die Konjunktur und eine Belebung der Konsumfreudigkeit der Verbraucher nachgelassen. Dementsprechend büßte der BBE-Retail-Index Einzelhandelsklima im Juni deutlich an Punkten ein; es begann eine Talfahrt des Stimmungsbarometers, die immer noch kein Ende gefunden hat.
Zahlreiche Händler hofften noch zu Beginn des Jahres, dass der Konsum 2008 endlich anspringen würde. Die Aussicht, dass das erste Quartal 2008 besser ausfallen würde als der von der Mehrwertsteuererhöhung besonders belastete Vorjahreszeitraum, ließ sicherlich manchen Händler positiv in die Zukunft blicken. So stieg der Indexwert nahezu kontinuierlich und erreichte im Mai seinen Jahreshöchststand. Doch die Hoffnung vieler Einzelhändler hat sich nicht erfüllt. Ständig steigende Energiepreise sowie weiter drohende Preiserhöhungen ließen die Verbraucher zunehmend um Kaufkraft fürchten und verhinderten eine Erholung des Konsumklimas.
Die Schwäche des privaten Konsums spiegelt sich klar in den Umsätzen seines wichtigsten Aggregats wider, dem klassischen Einzelhandel. Ihm gelingt es bereits seit Mitte der 90er Jahre kaum noch, real zusätzliche Umsätze zu generieren. Selbst im Jahr 2006, als zahlreiche Verbraucher geplante Käufe wegen der bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhung vorgezogen hatten, konnte der Einzelhandel kein reales Umsatzplus erwirtschaften. Im Jahr der Mehrwertsteuererhöhung folgte ein Minus von zwei Prozent.
Die zwei Stützen des Aufschwungs, die Exporte und die Anlageninvestitionen, sind aufgrund der weltweiten gesamtwirtschaftlichen Situation geschwächt. Und der private Verbrauch kann gegenwärtig nicht die Rolle des Konjunkturmotors übernehmen. Dafür sind die Kaufzurückhaltung und die Sparneigung der Verbraucher derzeit noch zu stark ausgeprägt.
Dabei hat der Konsum aus der Sicht des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) das Potenzial, tatsächlich zu einer Stütze der Konjunktur zu werden. Das äußerte Josef Sanktjohanser, Präsident des HDE, auf der Weihnachtspressekonferenz Ende November in Berlin. Wichtig sei eine dauerhafte Entlastung, die den Konsum stabilisiere. Für die privaten Haushalte müsse die Einkommensteuer, insbesondere für die unteren und mittleren Einkommen, spürbar gesenkt werden, so die Überzeugung von Sanktjohanser. Ob das Weihnachtsgeschäft den Stimmungspegel bei den Händlern wieder steigen lassen kann, bleibt abzuwarten. Der Präsident des HDE bekundete jedenfalls, dass der Einzelhandel das Weihnachtsgeschäft trotz Finanzkrise, Rezession etc. nicht verloren gegeben habe. Man halte an der Jahresprognose für 2008 fest und gehe weiterhin von einem realen Umsatzrückgang von etwa einem Prozent aus.
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