Baumax

Österreichische DNS

Michael Hürter, Österreich, TschechienBildunterschrift anzeigen
Michael Hürter ist seit Mai Vorstandsvorsitzender von Baumax.
24.10.2014
Mit Michael Hürter und Michael Seidel führen zwei Deutsche Baumax. Ein Gespräch mit Michael Hürter darüber, wie man ein österreichisches Baumarktunternehmen rettet.

Ein Heurigenlokal in Grinzing. Michael Hürter wirkt bei schönem Spätsommerwetter äußerst entspannt.  Er ist seit April dieses Jahres neuer Vorstandsvorsitzender bei Baumax, ihm zur Seite steht Michael Seidel als kaufmännischer Vorstand. Martin Essl rückte dafür in den Aufsichtsrat des Unternehmens. Hürter und Seidel sind beide Deutsche, die jetzt ein urösterreichisches Unternehmen aus der Krise führen sollen. Zusammen mit den Banken führen sie ein umfassendes und radikales Restrukturierungs- und Entschuldungsprogramm durch, das den Bestand von Baumax sichern soll.
Herr Hürter, wie haben Sie sich in Wien und bei Baumax eingelebt? Sehr gut, sowohl privat, da ich mit meiner Frau direkt nach Klosterneuburg gezogen bin, als auch beruflich bei Baumax.
War Ihnen die Größe Ihrer Aufgabe und des Sanierungsdrucks bewusst, als Sie zu Baumax kamen? Wie überall gab es auch bei Baumax endogene und exogene Probleme, so dass die  Komplexität und Größe der Aufgabe anfangs nicht genau einschätzbar war. Die Einarbeitung ging relativ schnell, schnell war aber auch klar, dass das Unternehmen restrukturiert werden muss. Die Marktführerschaft und gute Mitarbeiter waren ja vorhanden. Deshalb haben wir uns zuerst die Kostenseite von Baumax angeschaut und parallel dazu eine Zukunftsidee für das Unternehmen entwickelt. Hier haben wir uns erstens dem Thema E-Commerce gewidmet, wo wir zwar spät dran waren, dafür aber die Fehler der anderen vermeiden konnten. Zweitens haben wir ein neues Vertriebskonzept entwickelt. Und drittens eine Einkaufskooperation mit Hellweg gegründet, die sich primär um den Einkauf in Asien, die Harmonisierung der Sortimente und die Eigenmarken kümmert. Diese Gesellschaft wurde inzwischen personell von 25 auf 35 Mitarbeiter aufgestockt.
Ein großes Thema war bei Baumax auch immer die Logistik. Das stimmt. Da waren die Kosten einfach zu hoch. Wir haben zuerst einmal das Logistikzentrum und den Warenbestand im Lager halbiert. Und für eine schnellere Drehung der Ware gesorgt. Wir führen das Logistikzentrum heute als Cost-Center, weniger als Profit-Center. Und obwohl wir heute unsere Märkte in der Woche vier Mal anfahren - früher nur zwei bis drei Mal -, sind die Kosten dennoch gesunken. Das Problem ist, dass man, wenn man ein großes Lager hat, dieses auch füllen will. Früher hatten wir im Lager einen Warenbestand im Wert von 60 Mio. €, heute von nur noch 30 Mio. €.
Es wird kolportiert, Baumax hätte fast eine Mrd. € Schulden. Die hohe Schuldenzahl stimmt annähernd, wobei zwei Drittel Bestands- und ein Drittel Vertriebsmittelschulden sind. Insgesamt haben unsere Banken wie die Raiffeisen Bank International (RBI) eine sehr gute Rolle bei der Sanierung von Baumax gespielt. Auch sie wollen, dass das Unternehmen ideell und materiell überlebt. Und trotz aller Probleme wird auch das bewährte soziale Anliegen von Baumax in der Umstrukturierungsphase weiter betrieben.
Die Lieferanten standen 2013 vor Problemen, wie sie sich Baumax gegenüber verhalten sollten: weiterbe­liefern, ja oder nein? Viele hatten ja auch bereits Ärger mit Praktiker/Max Bahr.Wir sind als Unternehmen in dieser Frage sehr offen. Das Finanzierungsabkommen mit dem Bankenkonsortium läuft bis Ende 2016, das Delkredere steht, die Warenversicherung auch. Glauben Sie mir, wir haben wirklich viel Verständnis für den Druck, der auch auf unseren Lieferanten lastet. Aber eigentlich gibt es keinen Grund, mit Baumax keine Geschäfte machen zu wollen. Das zeigt sich auch darin, dass die großen Markenhersteller Baumax immer unterstützt haben.
Wie sehen denn jetzt die "Kernlande" aus, auf die sich Baumax in Zukunft konzentrieren will? Österreich ist für uns natürlich der klassische und unverzichtbare Heimatmarkt, den wir wieder primär bearbeiten werden; das gilt ähnlich auch für Tschechien. Deshalb haben wir gerade unseren Marktauftritt in Österreich überarbeitet und hier auch unseren Onlineshop zuerst eröffnet. Wir sind von unserer DNS ein österreichisches Unternehmen und wenden uns an den "normalen Heimwerker" als Kunden. Es ist bei einer guten Marke nicht immer gut, alles auf den Kopf zu stellen, das haben wir auch bei Baumax nicht gemacht. Insgesamt gibt es eine Gruppe von Ländern, von denen wir uns bereits verabschiedet haben bzw. dies noch tun werden. Die Ländergesellschaften von Bulgarien und Rumänien sind ja bereits verkauft, aus der Türkei haben wir uns zurückgezogen. In Kroatien gibt es einen gerichtlichen Restrukturierungsplan und die Entscheidung, wie es dort weitergeht, wird noch heuer fallen. Wir werden also deutlich kompakter und konzentrierter aufgestellt sein.
Die Marke "Baumax" ist also für die Zukunft gesichert? Da bin ich mir ganz sicher: Die Marke "Baumax" wird es weiter geben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man auf 38 Jahre Baumarkttätigkeit einfach so verzichtet. Deshalb führen wir über eine auch nur irgendwie geartete Übernahme von Baumax durch Wettbewerber keinerlei Gespräche. Die Marke "Baumax" soll, so wie es ist, wieder vernünftig auf die Beine gestellt werden. Ich bin mir sicher, dass wir den Großteil unserer Aufgaben Ende 2015/Anfang 2016 erledigt haben werden.

Die deutsche Doppelspitze


Michael Hürter, der als Restrukturierungsexperte an Bord geholt worden war, hat zum April 2014 die Funktion des Vorstandsvorsitzenden bei Baumax übernommen. Er war zum 1. Juli 2012 vom Papierhandelsunternehmen Papyrus, Ettlingen, in den Baumax-Vorstand gewechselt. Hürter war 2010 von Tengelmann/Plus zu Papyrus gewechselt. Davor erfüllte er Managementaufgaben bei Lidl und Aldi. Ihm zur Seite steht seit Januar 2014 Michael Seidel als kaufmännischer Vorstand. Seidel leitete nach Jahren bei Ernst & Young und beim Otto Versand als Finanzchef auch fünf Jahre lang die Heimwerkerkette Max Bahr in Deutschland, bevor sie an Praktiker verkauft wurde. In den letzten Jahren war er als CFO und CRO bei Lloyd Fonds und bei der Hannover Leasing tätig.
Österreich ist das Kernland des Unternehmens, und soll es auch bleiben. Hier wurde der Marktauftritt auch als erstes überarbeitet.
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Tschechien bleibt das zweite unverzichtbare Land für Baumax.
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