Spoga+Gafa

Sicherheit für verunsicherte Aussteller

Stefan Lohrberg ist als Director Spoga+Gafa bei der Koelnmesse für die Weltleitmesse der Garten- und Freizeitbranche verantwortlich.Bildunterschrift anzeigen
Stefan Lohrberg ist als Director Spoga+Gafa bei der Koelnmesse für die Weltleitmesse der Garten- und Freizeitbranche verantwortlich.
26.06.2020
Die Koelnmesse kämpft um die Spoga+Gafa 2020, und ihr unermüdlichster Kämpfer ist Stefan Lohrberg. Er ist überzeugt, dass die DIY- und Gartenbranche diese Messe braucht, nimmt aber die Verunsicherung bei Ausstellern und Besuchern ernst. Deshalb spricht er nicht nur über das Hygienekonzept, sondern über die wichtigste Erwartung: Die Händler vor allem aus Europa werden da sein.

Es geht um nichts weniger als die Messe der Garten- und Freizeitbranche - weltweit. Einmal im Jahr treffen sich in Köln ihre entscheidenden Akteure aus allen fünf Kontinenten; 40.000 waren es letztes Jahr. Die Koelnmesse ist fest entschlossen, die Veranstaltung auch unter den von der Corona-Krise aufgezwungenen Bedingungen stattfinden zu lassen - mit einem umfassenden Hygiene- und Sicherheitskonzept.
Darüber wird in der Branche kontrovers diskutiert. In einem langen Telefonat mit der diy-Redaktion Mitte Juni hat Stefan Lohrberg, Director Spoga+Gafa bei der Koelnmesse, ergänzend zu den immer wieder aktualisierten Statements des Messemanagements ausführlich dargelegt, wie die Messe stattfinden kann - zum Nutzen der gesamten grünen Branche. Wir fassen seine wesentlichen Aussagen zusammen:
"Die Spoga+Gafa 2020 wird europäischer denn je. Warum? Bei den Ausstellern gibt es ja schon immer eine Zweiteilung der Messe in Aussteller aus dem kontinentalen Europa sowie interkontinentale Aussteller, bei denen wir übrigens genauso gut verkauft haben. Jetzt aber müssen wir davon ausgehen, dass es 2020 eine europäisierte Messe geben wird.
Die Anzahl von Kündigungen von Aussteller, die es unter den derzeitigen Bedingungen einfach nicht schaffen, nach Köln zu kommen, ist deutlich. Wir werden jedoch generell für die Übersee-Aussteller Lösungen finden, die Quarantäne-Bestimmungen, Visa- oder Ein- und Ausreisebeschränkungen haben, jetzt aber ihre Container losschicken müssen.
Deshalb werden wir auf viele, viele Aussteller insbesondere aus Asien - meist kleine Aussteller - verzichten. Es geht vor allem um Chinesen, aber beispielsweise auch um Amerikaner. Die Unternehmen aus Übersee aber, die eine starke, agile Vertretung in Europa haben, werden sämtlich da sein. Kurz: Wir reden weiter über eine Riesen-Messe, die aber ein vollkommen europäisches Bild zeigen wird.
Schaut man auf die Besucherschaft der letzten Jahre, so hatten wir immer drei Viertel bis vier Fünftel aus Kontinentaleuropa gehabt. Deren Reisechance ist auch 2020 gegeben, und auch der Wille ist da -wir verkaufen Tickets nach Griechenland, Frankreich, selbst nach England, und auch nach Übersee; so plant man beispielsweise auch in Australien zu kommen. Wie in den letzten Jahren wird aber Europa unser Hauptbesucherstrom sein, dieses in diesem Jahr verstärkt.
Ein paar Beispiele: Die Gartencenterkette Truffaut aus Frankreich will kommen, oder auch die deutschen Gartencenter wie Kremer. Sie werden alle kommen - vielleicht mit weniger Leuten, doch damit muss man heutzutage rechnen.Aber klar: Bei den Ausstellern ist unglaublich viel Unruhe und Unsicherheit. Weil wir eine so unglaublich vernetzte Branche sind, wird die Unsicherheit auch weitergegeben. Deshalb versuche ich, nur über Fakten zu sprechen und diese Ketten zu unterbrechen.
Auch dazu ein Beispiel: Ein Schweizer Gartenmöbelhersteller sagt mir: ' Wichtige Kunden, so zum Beispiel der Giga-Verband, Mitglieder des VME, Häuser wie das Einrichtungshaus Jäger oder Garten-und-Freizeit.de kommen nicht.' Also habe ich die alle angerufen. Und 100,0 Prozent haben in dem Sinne geantwortet, dass sie, ganz im Gegenteil, kommen. Dieses natürlich immer unter der Prämisse, dass sich die Welt weiter positiv dreht. Auf unserer Internetseite haben wir unter dem Stichwort 'Meet our visitors' viele solcher Statements zusammengetragen, die man sich ansehen kann. Unser unbedingtes Ziel ist es, den Ausstellern in den kommenden Tagen durch positive Besucherstatements die Unsicherheit zu nehmen - kein leichtes Ziel.Außerdem: Wir dürfen gar nicht absagen. Wir haben ein Vertragsverhältnis mit vielen hundert Ausstellern, denn in NRW sind Messen erlaubt.
Wir werden sicher keine 40.000 Besucher haben wie letztes Jahr - wir werden also auch keine Abstandsprobleme haben. Die hätten wir übrigens auch nicht mit 50.000 Besuchern, schließlich bespielen wir ein unglaublich großes Gelände.Natürlich fragen sich auch einige: 'Kann ich eine Messe mit Mund- und Nasenschutz machen?' Darauf antworte ich: 'Wer das nicht kann, wird in der nächsten Zeit generell Schwierigkeiten haben, Geschäft zu generieren.' Übrigens muss man den Mund- und Nasenschutz auf dem Freigelände nicht tragen und kann ihn auch abnehmen, wenn man mit Besuchern auf dem Messestand am Tisch sitzt und Abstand hält.
Die Stände müssen also nicht umgebaut oder an andere Standorte verlegt werden. Wir können genauso verfahren wie im letzten Jahr.
Meine Botschaft ist: Wir nehmen die Aussteller mit ihrer Verunsicherung ernst, wir sind keine Hasardeure, und wir machen das für sie. Wir als Koelnmesse müssen das nicht machen, etwa weil uns das Wasser bis zum Hals steht, sondern wir wollen das machen, weil wir dazu aufgefordert sind.
Auch aus der Großfläche des Baumarkts in Europa und Übersee bekommen wir gute Zeichen - warum sollten sie sich anders verhalten als die großen Häuser der Möbelbranche? Natürlich schauen sie sich die Situation genau an. Und ja, es gibt Reisebeschränkungen in einzelnen Handelsunternehmen, aber es gab auch das Verbot, Vertriebler in die Märkte zu lassen - das man auch aufgehoben hat. Einige haben von den Reiseverboten abgesehen und sich ein Beispiel an den französischen Großketten genommen, die kommen wollen. Wir merken jedenfalls, dass die Phalanx derer, die noch skeptisch sind, bröckelt, und wir sind sehr optimistisch, dass das auch anhält.
Noch ein Wort zu den Absagen anderer Messen: In dem Moment, in dem andere Messen absagen, bekommen wir Zusagen. Darauf sind wir nicht stolz, und eigentlich wollen wir das gar nicht haben. Wir sagen ganz klar: Der Markt braucht starke Messen - mehr denn je. Deswegen wäre es uns am wichtigsten, dass die anderen Messen stattfinden.
Warum aber wird eine Galabau abgesagt und die Spoga+Gafa nicht? Weil man diese Messen nicht vergleichen kann. Die Galabau hat eine ganz andere Zielgruppe. Die Fachverwender sind auf der Messe. Das sind bis 80.000 Besucher auf einem kleineren Gelände mit anderen Exponaten. Bei uns sind viel mehr Sortimentsentscheider, deshalb haben wir eine ganz andere Personendichte. Da stehen also zum Teil dieselben Firmen auf der Spoga+Gafa und auf der Galabau - aber sie begrüßen jeweils ganz andere Besucher auf ihren Ständen.
Noch ein Wort zu den Veranstaltungen im Rahmenprogramm. Es wird ein Jahr so sein, dass wir die Messe auf ihren ursprünglichen Kern komprimieren: Menschen und Produkte zusammenzubringen. Gesellschaftliche Veranstaltungen werden in diesem Jahr nicht oder in geänderter Form stattfinden. Das gehört zu unserem Hygiene- und unserem Wohlfühlkonzept. Wir werden für bestmögliche Sicherheit auf dem Gelände sorgen."
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