Kommentar | Editorial

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Uns kann keiner – wirklich?

Dr. Joachim Bengelsdorf

Die Aussagen klingen alarmierend: Laut einer Studie, erstellt von der Unternehmensberatung Bain & Company, droht Einzelhändlern in den Vereinigten Staaten, die derzeit im Land ein Drittel der gesamten Branchengewinne erwirtschaften, die Übernahme oder gar Insolvenz (siehe dazu die Meldung im Handel-Aktuell-Teil). In der Studie "The Future of Retail: Winning Models for a New Era" machen sie veränderte Konsumgewohnheiten und die Digitalisierung dafür verantwortlich. Größe, Marktführerschaft und operative Exzellenz reichten gegen die Onlinegiganten Amazon und Alibaba nicht mehr aus. Hinzu komme, dass der Innovationszwang permanent und gleichbleibend hoch bleibe, die Handelsbranchen, auch die großen Unternehmen, sich aber viel zu langsam bewegten.

Laut Bain-Partner Miltiadis Athanassiou können die Ergebnisse durchaus auch auf Deutschland übertragen werden. Sein Fazit: "Die Einzelhandelsbranche hat mit großen Problemen hinsichtlich Wachstum, Innovationskraft und der Nutzung von Kundendaten zu kämpfen." Fünf Händlertypen hätten Überlebenschancen, wenn sie die richtigen Maßnahmen ergreifen wür­den: Ökosystem-Player, Marktführer, Discounter, "Tram­per" (Spezialisten und Exoten) sowie "Regionale Perlen".

Auch die Finanzmärkte reagierten inzwischen: Entgegen dem Trend in anderen Branchen seien die Bewertungen des Handels seit geraumer Zeit gesunken und das Verhältnis von Unternehmenswert zu Umsatz bei den meisten Einzelhandelskonzernen seit 2015 um jährlich vier Prozent zurückgegangen. Darüber hinaus vergrößere sich der Rückstand auf die Onlinehändler immer mehr.




Das sind auch für die deutschen Baumarktbetreiber (und wohl auch für die österreichischen und Schweizer) sowie für die gesamte DIY-Branche überhaupt keine be­ruhigenden Feststellungen. Feststellbar ist bei den Reaktionen eine Melange - wie die Wiener sagen würden - von Aktionismus, Un­sicher­heit, starrem Festhalten am Gewohnten und selbstbewusstem "Uns kann keiner"-Mentalität.

Natürlich treten in der Baumarktbranche bestimmte Entwicklungen im Handel immer später ein als in den meisten anderen Handelssparten. Und auch noch einmal später als in den USA. Aber: Sie treten eben irgendwann doch einmal ein. Und dann kann es zu spät dafür sein, noch ein unverwechselbares und erfolgreiches Handelsprofil umsetzen zu wollen. Dass Handel Wandel ist, betonen viele Händler oft und gerne. Ob sie es auch leben, steht auf einem ganz anderen Blatt, denn oft genug zielt diese Erkenntnis nur in Richtung Lieferanten, nicht auf einen selbst als Handelsunternehmen.


Herzlichst Ihr

Dr. Joachim Bengelsdorf

 

Kontakt
Tel.: +49/7243/575-208 • j.bengelsdorf(at)daehne.de

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