Kommentar | Editorial

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Das Ende der Globalisierung?

Dr. Joachim Bengelsdorf

Erinnern Sie sich noch an den Kommentar in der vorherigen Ausgabe von diy? Unter dem Titel "Keine Panik!" hatte ich einen Appell geschrieben, trotz der Ausbreitung des Coronavirus (Covid-19) doch als Aussteller und als Besucher auf die Internationale Eisenwarenmesse Anfang März 2020 nach Köln zu kommen. Der Kommentar - gut gemeint - ist ein Beispiel dafür, wie schnell Papier von aktuellen Ereignissen und Entwicklungen für den Papierkorb produziert werden kann. Denn kaum war der Wuhan-Virus in Europa angekommen, setzte eine Ereigniskette ein, die bestimmt war von einer Mischung von ernster Sorge, wohlüberlegten Vorsichtsmaßnahmen und Hysterie. Ein mediales Gegensteuern war da unmöglich.

Von dem neuen Virus sind weltweit nicht nur die meisten Messen sowie viele Reiseveranstalter, Gaststättenbetriebe und Großveranstaltungen betroffen, jetzt geht es auch an die wirtschaftliche Substanz - auch die der DIY-Branche: Produktions- und Lieferketten können über einen längeren Zeitraum unterbrochen werden, die Globalisierung fordert "dank" des Coronavirus ihre ersten Opfer. Dass diese weltweite wirtschaftliche Erschütterung gerade durch eine Epidemie/Pandemie ausgelöst wurde, wer hätte das 2019 noch vermutet?

Infolge der rasanten Corona-Ausbreitung in Europa (namentlich in Italien) und ab März auch in Amerika brachen die Börsen zeitweise zusammen, die Zahlen für die wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen Volkswirtschaften wurden für 2020 kräftig nach unten korrigiert. Dabei, so Prof. Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, liege die Hauptproblematik gar nicht so sehr im Wegbrechen der Produktion beziehungsweise der Unterbrechung der Handelsströme, sondern in einem möglichen dramatischen Rückgang des privaten und öffentlichen Konsums. Die Konsequenzen für die einzelnen Volkswirtschaften wären dann nämlich viel länger akut und spürbar.




Eine der Folgen könnte, so manche Auguren, das Ende der Globalisierung sein, wie wir sie bisher kannten. Lösen also Begriffe wie "Entflechtung" und "produktive Diversifizierung" Schlagworte wie "Disruption" und "Transformation" ab? Vielleicht teilweise. Darauf zu achten, dass spezifische regionale/lokale  Produktionsagglomerationen (man denke nur an die Herstellung von Arzneimitteln) eher zurückgefahren werden und man sich produktionstechnisch global breiter aufstellt, scheint ein Gebot der Stunde. Die momentanen Entwicklungen bieten Regionen, die bisher eher außer halb des europäischen Interesses lagen, auch Chancen. Das kann so falsch nicht sein und hat nichts mit "nationalen Egoismen" zu tun. Dass der Fokus von China oder Südostasien jetzt vielleicht auch auf andere Weltgebiete gerichtet wird, ist vernünftig, aber noch lange keine Abkehr von der grundsätzlich globalen Ausrichtung unserer Volkswirtschaften. Dieses Rad lässt sich nicht wieder zurückdrehen. Es ist aber vernünftig, die Welt in Zukunft auch aus wirtschaftlicher Sicht mehr als Ganzes zu sehen.

 

Herzlichst Ihr

Joachim Bengelsdorf

 

Kontakt

Tel.: +49/7243/575-208 • j.bengelsdorf(at)daehne.de

 

 

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