Teil und Ganzes

Dr. Joachim Bengelsdorf
26.11.2014
Der BHB feiert seinen 40. Geburtstag. Zeit und Raum weniger für einen Rückblick als vielmehr für einen Blick nach vorne.

Vor Ihnen liegt - ja was eigentlich? Ein Hochglanzheft mit Jubelfaktor, eine ganz normale Beilage zu diy, eine der üblichen Sonderveröffentlichungen zu runden Geburtstagen oder 80 Seiten nostalgischer Rückblick auf vermeintlich bessere Zeiten?
Nein, all das sollte es nicht sein, als wir uns als Verlag an die Planungen zum Begleitheft des 40. Geburtstages des Handelsverbandes Heimwerken, Bauen und Garten e. V. (BHB) machten. Natürlich sollte sich das Heft um den Verband drehen ("irgendwie"), sich aber gleichzeitig auch nicht quasi zwanghaft auf ihn fokussieren.
Die Lösung war dann relativ simpel: Lasst uns doch einfach zwei Hefte in einem machen und das Eine vom Anderen trennen. Also: Alles Wissenswerte und Notwendige zum BHB kommt in ein Pocket, das einem großen Heft beigefügt wird, das sich wiederum thematisch primär mit der Baumarktbranche insgesamt und - vor allem - mit ihren Herausforderungen und Chancen beschäftigt.
So kommen im BHB-Jubiläumsheft auch über 25 Gastautoren zu Wort, die sich so gut wie gar nicht mit dem Verband beschäftigen, sondern mit unserer Branche als Ganzes. Dabei kann man natürlich naiv fragen: Wer ist denn jetzt die Branche, wie sieht sie denn aus? Vermeintlich naive Fragen haben es ja dabei oft in sich, können ganz schön hinterhältig sein.
Denn es ist ja klar: Der BHB ist nicht die Branche, ist nicht per se ihr Sprachrohr und bildet auch nicht die Baumarktbranche in Deutschland, Österreich oder der Schweiz als Ganzes ab. Die meisten der führenden Handelsunternehmen (21 an der Zahl) sind zwar Verbandsmitglied, aber eben doch nicht alle. 
Und dann findet klassischer DIY-Handel auch außerhalb der definitorisch auf den Handel begrenzten BHB-Mitglieder statt. Der Branchenumsatz ist schon einmal - mindestens - doppelt so groß wie der der Verbandsmitglieder. Und auch die rund 200 Fördermitglieder aus den Bereichen Hersteller, Logistiker, Dienstleister etc. spiegeln nicht die gesamte Baumarktbranche wider.
Bei einem generellen Branchenanspruch des BHB würden wohl auch die beiden Partnerverbände, der Herstellerverband Haus & Garten und der Industrieverband Garten, ganz schnell den Finger heben.
Und dennoch: Ja, der BHB macht die Branche, definiert und bestimmt sie auch mit. Vor allen Dingen in den letzten paar Jahren. Verbandsarbeit ist oft genug Kärrnerarbeit. Sie geschieht im Hintergrund, ist mühsam und zeitaufwändig - und sie ist oft genug hochpolitisch. Und da wird es natürlich häufig auch für den Verband nicht ganz ungefährlich, betrachten sich die Verbandsmitglieder doch oft auch mit einer gehörigen Portion Argwohn.
Durch sein kontinuierliches, zugegebenermaßen oft wenig spektakuläres Wirken in zahlreichen Arbeitskreisen, durch seine Mitwirkung bei und Organisation von Kongressen, Veranstaltungen und Meetings, durch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und durch viele andere Maßnahmen mehr bestimmt und beeinflusst der BHB die Wahrnehmung der Baumarktbranche in der Öffentlichkeit und in der Politik heute mehr als noch vor einigen Jahren und mehr als so manches Mitgliedsunternehmen bzw. mancher Partnerverband.
Und damit prägt der BHB die öffentliche Wahrnehmung unserer Branche eben doch stärker, als er es vielleicht selber will - oder als es anderen lieb ist. Verbandsarbeit ist oft wie das Räumen eines Minenfeldes. Das Terrain muss vorsichtig betreten und von allen Gefahren gereinigt werden. Dabei gibt es Minen, die offen sichtbar, und andere, die im Erdboden verbuddelt sind.
Es gibt solche, die man mit Metalldetektoren erkennen und danach entschärfen kann, und andere, die aus Holz gebastelt wurden und die fast nicht lokalisierbar sind. Und ab und an wirft dann von außen das Kartellamt, die Bürokratie oder die Politik noch ein neues "Minchen" ins Feld hinein. Verbandsarbeit kann so Spaß machen!
Ich kann auch persönlich feststellen: Der BHB steht heute professioneller, stringenter und auch nachhaltiger da, als es noch vor Jahren der Fall war. Der ja wie die gesamte Branche auch Anfang des neuen Jahrtausends durch einige Turbulenzen gegangene Verband hat sich neu definiert, fast neu erfunden.
Lange Zeit war wohl nicht recht klar, was man erstens als Verbandsmitglied vom BHB eigentlich selber erwartet und was man zweitens als Verbandsmitarbeiter alles tun und lassen kann, darf, soll: Wirken mehr nach innen oder mehr Öffentlichkeitsarbeit, Mehrwert schaffen für die Mitglieder oder aktive politische Arbeit in Berlin und Brüssel?
Das alles kostet Geld. Geld, das der BHB sicherlich gut gebrauchen kann und an dem es, wie sollte es auch anders sein, immer fehlt. Sparsamkeit ist schön und gut, will der Verband aber auch in Zukunft die zahlreichen Aufgaben, die ja nicht weniger werden, auch vernünftig und Mehrwert schaffend meistern, so braucht er Sicherheit, auch finanzieller Natur.
Auch die wirtschaftliche Grundlage von Verbänden sollte vernünftig und nachhaltig sein, was vor allen Dingen bedeutet, dass er seine Aufgaben ohne den Druck erfüllen kann, dass ein Kongress oder eine Veranstaltung einen mehr oder weniger hohen Deckungsbeitrag erreicht.
Branche und Verband spiegeln sich gegenseitig wider. Geht es der Branche gut, profitiert davon auch der BHB. Und macht der Verband schlechte Arbeit (was nicht der Fall ist), murren die Mitglieder zu Recht. Wenn das Ihnen vorliegende "Geburtstagsheft des BHB" sich also mehr um die Branche als um den Verband selbst dreht, so ist das eher eine Reverenz an den BHB als despektierlich. Denn beide sind ("irgendwie") dann doch eins.
Dr. Joachim Bengelsdorf
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