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Umstellung lohnt sich

Im Jahr 2005 kaum aus der Taufe gehoben, hatte Westermann in Rheda-Wiedenbrück das Betriebstypenkonzept „Wohnstore“ auch schon verwirklicht. Und das kam nicht ad hoc, denn Geschäftsführer Klaus Westermann hatte an der Entwicklung dieser Fachmarktvariante von „Wohnen & Sparen“ im Vorfeld aktiv mitgewirkt. Wie sein Vater bei der Einführung der mehrgliedrigen Betriebstypenpolitik 1986 durch Decor-Union auch einer der ersten war, der seinen bestehenden Fachmarkt auf Wohnen & Sparen ausrichtete.

Westermann ging es nicht um eine bloße Neuetikettierung, weil ihm der neue Name so gut gefiel. Er war von dem neuen Konzept überzeugt, das im Zusammenspiel von in- und externen Fachleuten erarbeitet worden war. So stellt sich ein halbes Jahr nach der Einführung die Frage: Hat sich die Neuausrichtung bewährt?

Klipp und klar „ja“, betont Westermann. „Die überwiegende Mehrheit unserer Kunden steht unserem Auftritt sehr positiv gegenüber.“ Auch jene, die anfangs gegenüber Wohnstore skeptisch waren, hätten das Konzept inzwischen angenommen. Zumal für eine Klientel jenseits der 30 bis 40 Jahre das Schwergewicht verstärkt auf Fachberatung und Service gelegt wurde.

Den Signalfarben „Schwarz auf Gelb“ von Wohnen & Sparen stellt Wohnstore auf einer Verkaufsfläche von rund 2.000 m² Lichtgrau als neutrale Fondfarbe für die Fassade, aber auch als vorherrschende Farbe im Marktinneren gegenüber: bei dem über die Fassadensimslinie hinausgehenden Firmenlogo oder bei den plakativen Piktogrammen der einzelnen Sortimentsbereiche oder sonstigen Schriftelemente. Als Unterzeile für Wohnstore wählte man den Inhabernamen „Westermann“, weil dieser einen hohen Bekanntheits- und Akzeptanzgrad besitzt. Anstelle des Inhabernamens hätte es auch „modern living“ heißen können.

Nach Betreten des Marktes beginnt es mit einer leicht diagonalen Wegführung, statt – wie bei Wohnen & Sparen üblich – in Ovalform. Im linken Teil der rund sieben Meter hohen Halle geht es über eine Treppe dorthin, wo früher die Gardinen waren. Jetzt ist hier das Teppichstudio untergebracht samt einer Schiebeanlage. Dazu kommen unten moderne Teppiche als Stapelware.

An den Wänden der Teppichhalle befinden sich sieben Paternoster, welche die Hallenhöhe voll ausnützen. Sie sind vorwiegend mit Teppichboden und zu einem kleinen Teil mit elastischen Belägen bestückt. Versetzt davor stehen zwei vier Meter hohe Teppichbodenbibliotheken. „Die Teppichbodenflachstraße wurde im Zuge der Umgestaltung durch insgesamt 48 Wasserfallständer ersetzt“, sagt Westermann. Die Kunden suchen hier ihre Wunschware aus und erhalten diese nach wenigen Tagen.

Westermann ließ Decor-Union-Architekt Frank Plehn bei der Neugestaltung der Räume weitgehend freie Hand. Dieser nutzte das, indem er das Ladenbaukonzept für Wohnstore, wie es im Weißbuch steht, zu rund 90 Prozent umsetzte. Dabei sind – wenn es sich nicht um einen kompletten Neubau handelt – immer die vorhandenen baulichen Gegebenheiten zu berücksichtigen. Im konkreten Fall heißt das zum Beispiel, mit einer Verkaufsfläche in mehreren Ebenen umzugehen.

In der untersten Ebene ist die Farben- und Tapetenabteilung untergebracht. Die auf 1,40 bis 1,50 m niedriger als bisher gehaltenen Schütten geben die Sicht frei über den ganzen Raum hinweg. Sie beherbergen rund 200 Blatt Lagertapete. „Viele Kunden fragten uns, ob wir an- bzw. hinzu gebaut hätten“, sagt Westermann. Ihnen kamen die Räume größer als bisher vor.

Nach den Bodenbelägen umsatzmäßig der stärkste Bereich ist die Gardine, wozu auch der Sonnenschutz gehört. Wie es das Konzept vorsieht, ist die Ladengestaltung in diesem Bereich mit mehreren Showrooms aufgelockert. So soll das Wohnen für die Kunden erlebbar gemacht werden. Eine von zwei Näherinnen geführte eigene Näherei gehört zum Service.

Gartenmöbel bezeichnet Westermann als Erfolgsstory, an der man viel Freude habe. Diese Abteilung wird zum Saisonende nicht aufgelöst, sondern durch Wintergartenmöbel ersetzt. Außerdem: „Wir haben Strandkörbe sogar schon zu Weihnachten verkauft“, erzählt Westermann.

Der Unternehmer hatte sich gleich zu Beginn der im Jahre 2005 ins Leben gerufenen we-DU-it-Gruppe angeschlossen. Das geht innerhalb des Systems nach klar definierten Spielregeln vor sich. So sind innerhalb der Kernsortimente jeweils drei bis vier Systemlieferanten vorgegeben, mit denen etwa 75 Prozent der Umsätze für die einzelnen Warenbereiche zu tätigen sind. Für Teppichboden im Kuponbereich sind dies Nordpfeil, Vorwerk, Enia Carpets und TWN und im Bereich Rolle ITC, Astra und Associated Weavers. Das System hat sich nach Westermanns Erfahrung gut bewährt. Die Zusammenarbeit mit den Kernlieferanten wurde aufgrund der Konzentration noch intensiver: Die Mitglieder haben klar definierte Sortimente zur Verfügung, es erfolgen gemeinsame Werbemaßnahmen und nicht zuletzt wird eine Margenverbesserung erzielt.

Jede Firma der Branche, die schon dreißig, vierzig oder mehr Jahre besteht, hat ihre eigene spezielle Entwicklung, unabhängig davon, dass sie einem Verbund angehört und vieles nach dessen Spielregeln läuft. So entstand Westermann aus einem Malerfachbetrieb und ist diesen Wurzeln bis heute treu geblieben. 16 Mitarbeiter sind im Malerbereich beschäftigt, der auch als eigenständige Firma geführt wird, 15 im Einzelhandel. Wobei die Synergie-Effekte, bedingt durch das Arbeiten in den Objekten und Wohnungen der Kunden, willkommen sind. Ein Auftrag für ein Gewerk zieht den nächsten für ein anderes Gewerk nach.

Eine wesentliche Basis für den Markterfolg sieht Klaus Westermann darin, in die Kooperation Decor-Union eingebunden zu sein. Hier werden im Zusammenspiel von Theorie und Praxis Konzepte entwickelt, die dem sich immer schneller wandelnden Markt gerecht werden. Ob für die Gestaltung der Verkaufsstätten außen wie innen, ob für die Warenbeschaffung, das Marketing, den Service, die Betriebswirtschaft etc.

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