Im Vorfeld der ersten Anhörung zur kleinen Novelle des Baugesetzbuchs im Bauausschuss am 10. September fordert ein Bündnis zivilgesellschaftlicher Akteure den Abschied vom „Bau-Turbo“ oder umfassende Nachbesserungen. Der Paragraph 246e adressiere in seiner aktuellen Fassung die komplexen Ursachen der Wohnungskrise nicht ausreichend und könne bestehende Probleme verschärfen, so die Kritik.
Statt bewährte Planungsinstrumente weiterzuentwickeln, setze der „Bau-Turbo“ auf übereilte Verfahren und kurzfristige Bauzahlen – das führe weder zu bezahlbarem noch klimafreundlichem Wohnraum, ist das Bündnis überzeugt. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die Bundesarchitektenkammer, der Paritätische Wohlfahrtsverband und Architects for Future fordern einen „Umbau-Turbo“, der soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und demokratische Planung miteinander verbinden soll.
Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, hält fest: „Wir haben die Wohnungskrise erkannt. Die Kammern sehen gemeinsam mit den Mitunterzeichnenden viele Möglichkeiten für Verbesserungen, zum Beispiel durch einfacheres Bauen nach Gebäudetyp E.“ Sie sieht in der jetzigen Ausformulierung des „Bau-Turbo“ noch Schwachstellen: „Wer Fläche verbraucht, schafft Flächenkonkurrenz, verdrängt Landwirtschaft und Natur.“ Gute Planung bedeute stattdessen: Innenentwicklung vor Zersiedelung, bezahlbarer Wohnraum statt Renditeprojekte und Qualität statt Schnellschüsse, findet die Bündnisspprecherin.
„Massiver Neubau produziert enorme Mengen grauer Emissionen. Wir müssen die Potenziale im Gebäudebestand nutzen: Umbauten und Sanierungen sind schneller, günstiger und ressourcenschonender als Neubau“, sagt DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.